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Der "Wettkönig" aus dem hohen Norden
von stephan hutt
Wolfgang Kubicki: FDP-Politiker, geboren 1952 in Braunschweig, heimisch geworden in Strande bei Kiel, Sternzeichen Fisch. Den Fischen sagt man nach, sie wären romantisch, sensibel, geduldig und hätten eine starke Verbindung zur Spiritualität. Wesenszüge, die so gar nicht Kubicki-like sind. Zu dem 73-Jährigen passen eher Eigenschaften, die mit s beginnen: schlagfertig, streitbar, scharfzüngig, selbstsicher. So wollen ihn die Gäste des Neujahrsempfangs der FDP-Stadtgruppe-Degerloch am Sonntag, den 25. Januar in der ausgebuchten Alten Scheuer auch erleben. Oder einfach norddeutsch-kantig, wie er immer wieder beschrieben wird.
Es wird interessant zu sehen, wen die anderen örtlichen Veranstalter bei ihren Neujahrs- oder Frühjahrsempfängen in Degerloch präsentieren, denn mit Kubicki hat die FDP-Stadtgruppe spektakulär vorgelegt. Der ehemalige Vizepräsident des Bundestages und langjährige Bundestagabgeordnete ist als Redner immer noch stark gefragt. "Viele freuen sich, wenn ich launige Reden halte, außerdem sehnen sich die Menschen danach, dass Meinung klar geäußert wird", sagte Kubicki, der sich wie kein Zweiter für liberale Werte und Bürgerrechte engagiert, bei der NDR-Sendung "DAS! Rote Sofa". Dass der studierte Volkswirt und Jurist als Wahlhelfer in Degerloch anreist, dürfte klar sein - am 8. März werden bei der baden-württembergischen Landtagswahl die Karten neu gemischt. Kubicki spricht "Klartext vor der Wahl".
Bevor das streitbare Nordlicht aus Schleswig-Holstein zu Wort kommt wird Ulrich Stoll, Aufsichtsratsvorsitzender der Festo in Esslingen einen wirtschaftlichen Impuls setzen. Zu Wort kommt natürlich auch Friedrich Haag. Der Degerlocher Unternehmer präsentierte sich seit seinem Einzug in den Landtag sehr engagiert im Wahlkreis Stuttgart II, zu dem Degerloch und seine Nachbarorte gehören. "Haag hakt nach", lautet sein Motto, wenn die Dinge in Bezug auf Wohnungsbau, Mobilität und Verkehr nicht so laufen, wie der 36-Jährige sich das vorstellt.
Man darf gespannt sein, wie sich Kubicki auf dem Degerlocher Neujahrsempfang zu den Chancen der FDP bei der kommenden Landtagswahl äußert. Schon öfters hat der lebenslustige Familienvater, der in den 80er Jahren nebenberuflich eine Kneipe in seinem Heimatort Strande betrieb, bei Wetten zu Wahlen danebengegriffen. "Wie hoch wetten Sie auf den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag", wurde er von einem Journalisten der "Neuen Züricher Zeitung" vor der letzten Bundestagswahl gefragt. "Wenn Sie dagegenhalten meinen halben Weinkeller" - das Ergebnis ist bekannt. Ähnlich lief es einst bei einem Besuch des NDR-Satiremagazins "extra 3". Kubicki wettete auf "sechs Prozent bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg" ebenfalls mit seinem halben Weinkeller - es wurden spärliche 2,8. "Die meisten Wetten hat er gegen mich verloren", sagt Ralf Stegner, Kubickis SPD-Kontrahent aus Schleswig-Holstein. Was sagt uns das? Sollte "Wettkönig" Kubicki in Degerloch eine Wette auf die baden-württembergische Landtagswahl anbieten - sofort einschlagen!
Foto: Laurence Chaperon





