extra
Direkter Draht zu den Menschen
von stephan hutt
Anlässlich der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben wir mit dem Degerlocher Friedrich Haag gesprochen. Die anderen Kandidatinnen und Kandidaten im Filderwahlkreis Stuttgart II stellen wir separat vor.
degerloch.info: Hallo Herr Haag, bevor wir zur Landtagswahl 2026 kommen - Sie wurden im Jahre 2021 erstmals ins baden-württembergische Parlament gewählt. Wie lautet Ihr Fazit der ersten Periode als Landtagsabgeordneter und was haben Sie erreicht?
Haag: Rückblickend habe ich sehr viele Themen für Stuttgart ins Rollen gebracht. Wichtig war und ist mir auch vor unangenehmen Themen nicht zurückzuscheuen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema innere Sicherheit: Jeder soll sich zu jeder Zeit in Stuttgart sicher fühlen können, gerade auch in der Innenstadt. Daher setze ich mich für eine personell und materiell gut ausgestattete Polizei ein. Das Gleiche gilt für den Rettungsdienst. Oberstes Ziel muss es sein, die Notfallversorgung für die Bürgerinnen und Bürger verlässlich sicherzustellen. Auch den massiven Sanierungs- und Neubedarf bei den Landesstraßen und -brücken in Stuttgart habe ich aufgezeigt und mich erfolgreich gegen die von Verkehrsminister Winfried Hermann geplante Sperrung des Flughafentunnels durchgesetzt. Bei der Erhöhung der Grundsteuer habe ich zahlreiche Anfragen von Eigentümern, viele auch aus Degerloch und Hoffeld, in den Landtag eingebracht.
degerloch.info: Sie sind ja auch Unternehmer, Landwirt und Mitglied des Stuttgarter Gemeinderates. Wie bewältigen Sie das zeitlich?
Haag: Gutes Zeitmanagement und gute Mitarbeiter - sowohl an der Tankstelle, als auch im Landtag und im Rathaus. Mir machen alle Tätigkeiten große Freude, sonst hätte ich die Aufgaben nicht übernommen. Für mich war immer klar, dass ich mich nicht von einem politischen Mandat abhängig mache. Mir ist es wichtig, immer frei heraus zu sagen, was ich denke. Ich will die Dinge klar benennen und angehen - ohne mögliche Konsequenzen für meine politische Karriere ständig im Hinterkopf zu haben. Das wäre Politik mit angezogener Handbremse und das ist nicht meine Art.
degerloch.info: Nicht zu vergessen, dass Sie in Ihrem Wahlkreis, zu dem Degerloch gehört, sehr präsent waren …
Haag: Das war mir immer wichtig und wird auch so bleiben. Nur wer mit den Leuten vor Ort spricht, weiß, wo der Schuh drückt und was verbessert werden muss. Deshalb bin ich sehr gerne hier und in den Nachbarbezirken unterwegs. Aber da muss jeder Politiker seine eigenen Prioritäten setzen.
degerloch.info: Jetzt ist wieder Wahlkampf und Ihre Partei hat nicht die besten Umfragewerte. Was müssen Sie sich von den Wählerinnen und Wählern auf der Straße derzeit anhören?
Haag: Ich erhalte persönlich viel Zuspruch an unseren Ständen oder im Alltag. Viele sagen deutlich, dass es eine starke liberale Kraft in Deutschland braucht und sie nur die FDP in dieser Rolle sehen. Das gibt Rückenwind. Was ich dabei mitnehme: Die Bürger wollen wie wir grundlegende Reformen. Sie haben genug von Wartezeiten auf Ämtern, langwierigen Bauverfahren, sinnlosen Dokumentationspflichten als Handwerker oder einer Migrationspolitik, die gut integrierte Asylsuchende heimschickt und Straftäter im Land belässt. Was die Umfragewerte betrifft: Gewählt wird am 8. März. Ich bin fest davon überzeugt, dass da für uns Liberale noch deutlich Luft nach oben ist. Wer eine bürgerliche Landesregierung möchte muss FDP wählen.
degerloch.info: Bleiben wir beim Wahlkampf. Was sind Ihre wichtigsten weiteren Themen?
Haag: Zuallererst: Beim Thema Bildung müssen wir wieder an die Spitze kommen. Statt einer Einheitsschule braucht jedes Kind die passende Schulart - dazu gehört auch die Werkrealschule. Ich befürworte auch eine verbindliche Grundschulempfehlung für eine frühzeitige Orientierung. Nur ein starker Innovations- und Wirtschaftsstandort sichert unseren Wohlstand und gut bezahlte Jobs. Ich möchte, dass Baden-Württemberg und Stuttgart weiterhin eine starke Wirtschaft haben und Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagert werden. Deswegen braucht unsere Industrie Rückendeckung durch die Landespolitik - besonders in der Automobil- und Zulieferindustrie. Beim Bauen brauchen wir schnellere Prozesse und dringend Kostensenkungen, sowohl bei der Straßen- und Brückensanierung, als auch beim Wohnungsbau. Ziel muss es sein, den Traum vom Eigenheim wieder für mehr Menschen zu ermöglichen, insbesondere z.B. für junge Familien. Das schaffen wir durch die Senkung der Grunderwerbsteuer auf 3,5 Prozent und einen steuerfreien Kaufpreisanteil von 500 000 Euro bei der Grunderwerbsteuer.
degerloch.info: Vom Bundeskanzler bis zum OB unserer Stadt plädieren alle für Bürokratieabbau, allerdings ohne Erfolgsbilanz. Sie sind Unternehmer, da haben Sie doch bestimmt praktikable Vorschläge.
Haag: Keine Frage - wir ertrinken in Vorgaben, Gesetzen und Prüfpflichten. Jeder redet über Bürokratieabbau, aber im ersten Schritt müssen wir erstmal dafür sorgen, dass keine neue Bürokratie entsteht! Deshalb setzen wir in unserem Wahlprogramm genau hier an. Kleinbetriebe unter 20 Mitarbeitern wollen wir von Melde- und Statistikpflichten befreien, wenn die Daten dem Staat schon vorliegen. Gesetze sollen zudem automatisch auslaufen, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben. Regierungspräsidien und Regionalverbände halten wir für entbehrlich - deren Kernaufgaben wollen wir an Kommunen und Kreise übertragen. Geben wir der Politik vor Ort mehr Entscheidungskompetenz und Freiheit. Insgesamt braucht es mehr digitale Angebote, damit Bürger Verwaltungsangelegenheiten online erledigen können. Da sind wir im Vergleich zu anderen Ländern deutlich hinterher.
degerloch.info: Sie leben in Ihrem Wahlkreis Stuttgart II. Wie stark wiegt dieser Heimvorteil?
Haag: Ich halte das für einen großen Vorteil. Ich fühle mich total wohl hier und würde niemals woanders leben wollen. Hier kenne ich viele Menschen, teilweise seit meiner Kindheit, und sehe die Ergebnisse von guter oder schlechter Politik direkt vor meiner Haustüre, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Schulen, Vereinen oder im Einzelhandel. Wenn es Probleme oder Anliegen gibt, habe ich stets den direkten Draht zu den Menschen hier und kann deren Themen sofort in den Landtag oder den Gemeinderat mitnehmen.
degerloch.info: Bei der Feuerwehr muss alles blitzschnell gehen, in der Politik wird oft endlos beraten. Wie gehen Sie damit um, dass sich Entscheidungen manchmal lange hinziehen?
Haag: Nicht nur bei der Feuerwehr - das kenne ich auch aus dem Unternehmertum sehr gut. In beiden Tätigkeiten ist von mir oft eine schnelle Entscheidung gefragt. So eine Effizienz und Mut zur Entscheidung würde ich mir auch in der Politik und der Verwaltung wünschen. Bei der Feuerwehr spielt es im Einsatz keine Rolle, ob man mit einer Person besser auskommt oder nicht. Da geht es um eine Sache: Hilfe zu leisten, und zwar schnell und effizient. Diesen Ansatz wünsche ich mir in der Politik über alle Parteien hinweg.
degerloch.info: Wenn Sie in einem Satz beschreiben müssten, wofür Sie stehen - wie würde dieser Satz lauten?
Haag: Schaffen statt schwätzen und nicht lockerlassen.
degerloch.info: Kommen wir zum Schluss. Wie überzeugt sind Sie, dass die FDP und Friedrich Haag wieder in den nächsten Landtag einziehen?
Haag: Wir Liberale sind seit Anbeginn im baden-württembergischen Landtag vertreten. Wir gehören zur DNA der Landespolitik und geben Baden-Württemberg wichtige Impulse. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir den Einzug in den Landtag wieder schaffen werden. Unsere Lösungen sind überzeugend: Wir wollen, dass die Menschen ihr Leben eigenverantwortlich gestalten und sich Leistung lohnt. Wir wollen ein modernes Baden-Württemberg, in dem gerade meine Generation weiterhin von Wohlstand, Chancen, Sicherheit und Lebensqualität profitiert. Dafür setze ich mich und die FDP ein!





