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Die Alpen-Lady
von julian keller
Was machen ältere Menschen, wenn sie sich noch einen ganz besonderen Wunsch erfüllen wollen. Vielleicht eine Kreuzfahrt durch das Mittelmeer oder etwas alternativer, mit den Hurtigruten durch die norwegischen Fjorde schippern. Nix für Helgard Woltereck, Wasser hat sie genügend gesehen - zum Beispiel bei einer Atlantik-Überquerung mit der legendären Queen Mary.
Anlässlich ihres 80. Geburtstages hat sich die ehemalige Rektorin der Filderschule den Wunsch einer Alpenüberquerung erfüllt. Und das gleich im doppelten Sinne. Einer ersten Sechs-Tage-Tour im Juni von Garmisch-Partenkirchen über Mittenwald, Axams, Stubaital und Pflerschtal nach Sterzing folgte sechs Wochen später die Fortsetzung mit einem ebenso langen Bergauf-Bergabtrip von Sterzing über Meran und Kaltern an den Gardasee.
Beide Touren erfolgten mit einer mehrköpfigen geführten Gruppe, die täglich auf einer Distanz von etwa 20 Kilometern zwischen 500 und 1000 Höhenmetern zu bewältigen hatte. "Bergab und im Flachland war ich immer etwas zu schnell, aber bergauf kam ich dann schon hin und wieder an meine Grenzen", blickt die Alpen-Lady auf ihre Erlebnistouren zurück, an der Wanderlustige von 18 bis 80 Jahren mitmarschierten. "Insgesamt war es für mich schon recht anspruchsvoll, vor allem wenn es auf allen Vieren ans Klettern ging oder wenn Gewitter aufzogen", sagt Woltereck, die auf der Tour von Sterzing an den Gardasee von zwei Degerlocher Nachbarinnen begleitet wurde.
Im Alter von 80 Jahren innerhalb von sechs Wochen zwei Mal über die Alpen mit einer Höhe von teilweise über 2000 Metern ist kein Spaziergang - das erfordert eine konsequente Vorbereitung. "Ich laufe schon immer regelmäßig und viel. In den letzten Wochen vor der ersten Tour habe ich das mit täglich 12 bis 15 Kilometern durch die örtlichen Wälder intensiviert", gibt die abenteuerlustige Degerlocherin Einblick in ihre Vorbereitung auf beide Wanderungen, die insgesamt über eine Distanz von 180 Kilometern führten.
Erfolgserlebnisse schreien oft nach weiteren und höheren Zielen. Noch steiler und noch größere Berge gehören nicht zu Wolterecks Wunschgedanken. Laufen allerdings schon. Und wenn es zur Abwechslung nicht die Degerlocher Wälder sind, dann vielleicht eine Tour durch die Kultur der Weißen Dörfer Andalusiens. Oder eine Rundwanderung um die Drei Zinnen in der Dolomitenregion im Osten Südtirols. Man kann nur hoffen, dass die ehemalige Pädagogin nicht noch auf die Idee kommt, eine der Zinnen besteigen zu wollen. Denn dann müsste man sich beim Lions Club Alte Weinsteige und dem Spendensammelverein "Degerloch hilft" reichlich Sorgen um die Kollegin machen. Denn schließlich wird die Alpen-Lady dort noch gebraucht.

