EXTRA - ARCHIV
Viel für Hoffeld bewirkt
von stephan hutt
Sein geliebtes Bierchen im Hoftäle hat er schon länger nicht mehr zu sich genommen. Zu sehr hat ihn der gesundheitliche Zustand in den letzten Jahren an sein Zuhause im Hoffeld gebunden. Der Weg war nicht weit, das Lokal der Degerlocher Kleingärtner am Rande des Ramsbachtales liegt ziemlich direkt vor der Haustüre von Manfred Janle, der am Dienstag, den 18. Februar gestorben ist. Der Buchautor und ehemalige Rektor der Filderschule freute sich immer auf den Kreis seiner Freunde im Hoftäle, wo viel gescherzt und gelacht wurde.
"Janle hat mal wieder was geschrieben" steht in einem Brief aus dem Jahr 2007, als der Historiker und Buchautor auf sein neuestes Werk "Gohel zu Dägerloch" aufmerksam machte. Elf Jahre zuvor hatte der Ruheständler bereits "Alt-Degerlocher Schulbefreiung" mit 280 Seiten und zwei Jahre später "Ein Jahrhundert Schulzeiten in Degerloch und anderswo" mit 372 Seiten verfasst. Es waren richtig dicke Bretter, die Janle da in seinem "Home-Office" im Hoffeld gebohrt hat. Was Degerloch und alte Schulgeschichten betrifft, erinnert sich Ex-Filderschulrektorin Helgard Woltereck: "1993 habe ich die Schule von Herrn Janle übernommen. Er hat sie mir ohne viel Federlesens übergeben und ist immer gerne zu den folgenden Festen gekommen. Das Schulkollegium hat ihn als Gesprächspartner sehr geschätzt", sagt Janles Nachfolgerin über ihren Vorgänger.
Viele Erinnerungen hat auch Uli Demeter, dem Manfred Janle vor 20 Jahren die Leitung der Siedlergemeinschaft Hoffeld übergab. "Manfred hatte seine Prinzipien und war sehr gewissenhaft. Er hat viel für das Hoffeld bewirkt, auch in den Verhandlungen mit der Stadt Stuttgart. Gerne erinnere ich mich an die Altennachmittage in der Hoffeldkirche und die Gesangsstunden im Lothar-Christmann-Haus, bei denen er mit seinem Akkordeon für Stimmung sorgte", blickt der Degerlocher Bezirksbeirat zurück.
Anekdoten gibt es genügend über den Familienvater aus dem Hoffeld, der mit einem gewissen Schalk durchs Leben ging. Als Sexualkunde Anfang der 80er Jahre in den Schulen von Baden-Württemberg einzog, zeigte sich der oberste Filderschüler ziemlich skeptisch. "Für die Kinder auf dem Land ist Sexualkunde unnötig. Die sehen bei den Tieren, wie sich die Fortpflanzung technisch vollzieht", stellte der Pädagoge und Erzeuger von vier Kindern zu jenen Zeiten klar. Dabei schien er allerdings vergessen zu haben, dass Degerloch damals bereits eingemeindet war und nicht unbedingt zur Landbevölkerung gehörte.
Janle war für Degerloch und sein Umfeld eine Bereicherung sowie ein stets interessanter und unterhaltsamer Gesprächspartner. Das bestätigt auch sein Stammtisch-Kollegium im Hoftäle, wo er bis vor einigen Jahren immer sein Bier mit Ouzo genoss und dabei klarstellte: "So alt wird koi Sau".
Trauerfeier: Dienstag, 11.3. - 14 Uhr, Neuer Friedhof Degerloch

