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Verein(t) aufgelöst
von stephan hutt
Ich sitze mit Thomas Krohmer (Bild) auf der Terrasse des Kickers-Clubrestaurants. Unser Gespräch führt zurück in die 70er Jahre und zum lokalen Fußball in der Kreisliga auf der Waldau. Und wie es der Zufall will, entdecken wir plötzlich, dass wir einst gegeneinander gekickt haben. Er für den TSV 07 Stuttgart, meine Wenigkeit für den USC Stuttgart. Der TSV 07 ist seit kurzem Geschichte, die Fußball-Abteilung des USC Stuttgart, die ihre Heimat im heutigen ADM-Sportpark hatte, wurde bereits in den 70er Jahren aufgelöst.
Am 9. September 2025 haben die Liquidatoren Thomas Krohmer und Kollege Bernd Schmalzriedt den Waldauverein TSV 07 Stuttgart gemeinsam beerdigt. Von zuletzt noch 37 Mitgliedern waren 13 anwesend, als im Vereinslokal des ABV Stuttgart das Ende besiegelt wurde. "Die Stimmung war gut, wir waren alle erlöst, denn mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren wären wir der Satzung nicht mehr gerecht geworden. Traurigkeit war kein Thema, wir haben das sauber beendet", sind sich die beiden Liquidatoren einig. In den 60er- und 70er Jahren konnte der Verein auf sechs Abteilungen und 700 Mitglieder verweisen, die teilweise die Erfolgswelle der Fußballabteilung in der damaligen 2. Amateurliga miterlebten.
Das Vereinsheim, das inzwischen mit der ganzen Anlage an die Stadt übergeben wurde, blieb seit dem Ausstieg der letzten Pächterin geschlossen, der Rasenplatz und die Garderoben werden noch von der Stadt genutzt. "Ende 2023 war Schluss mit der Gastronomie im Vereinslokal, Corona hat da sicherlich mitgespielt", sagt Krohmer und erzählt von früheren Wirtsleuten. Dabei sticht ein Name heraus, der in Degerloch nicht unbekannt ist - Werner Epple. Nach der Bewirtschaftung des Vereinslokals SV Hoffeld und dem "Gasthaus zum Hirsch", beendete Epple 2005 seine Degerlocher Gastro-Karriere nach fünfjähriger Tätigkeit beim TSV 07. "Das war sicherlich die erfolgreichste Gastro-Zeit", sagt Krohmer, der die gut bürgerliche Küche und das Preis-Leistungsverhältnis von Werner Epple und seiner Frau Paula ebenso schätzte wie die vielen Gäste aus unserem Stadtbezirk. Dabei brauchte es drei Anläufe bis der 07-Vorstand Epple endlich auf die Waldau lotsen konnte.
Im Vorwort der Jubiläumsbroschüre aus dem Jahr 2007 gratulierte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster dem TSV 07 und seinen Mitgliedern zum 100-jährigen Bestehen. Damals verteilten sich noch 200 Vereinstreue über die Abteilungen Fußball, Boccia, Gymnastik, Lauf- und Fahrradtreffs sowie Kegeln. Danach gings weiter bergab, deshalb bildete auch die Fußball-Abteilung eine Spielgemeinschaft mit dem benachbarten ABV Stuttgart, die aber nach der letzten Saison aufgelöst wurde. Nichts ist für die Ewigkeit, das weiß auch der jahrzehntelange Vorstand Thomas Krohmer, der im Alter von 54 Jahren sein letztes Spiel bei den Aktiven machte, was ihm in der damaligen Filderzeitung die Überschrift "torhungriger Präsident" einbrachte.
Gegründet wurde der Verein am 8. Juli 1907. Mitglieder des Katholischen Gesellenvereins, die oft schon als 14-Jährige nach ihrer Volksschulzeit aus den ländlichen Gegenden der Alb, dem Schwarzwald oder dem Oberland zur Ausbildung nach Stuttgart zogen, haben den Verein aus der Taufe gehoben. Die jungen Burschen lebten zunächst im Kolpinghaus Ecke Immenhofer- und Heusteigstraße, bevor sie sich später in das Heusteigviertel verteilten. Ein Sportplatz war damals noch kein Thema, turnerische Leibesübungen wurden im Festsaal des Kolpinghauses abgehalten.
Nach der Gründung einer Fußball-Abteilung im Jahr 1920 hat die Stadtverwaltung den Kickern ein Jahr später ein Sportgelände auf der Waldau zugewiesen. Nach reichlich Eigenarbeit wurde der Platz am 5. August 1924 mit dem Spiel gegen Sparta Wien eingeweiht. Als Unterkunft dienten zunächst zwei Militärbaracken, die man 1924 durch ein festes Haus ersetzte. Dann dauerte es aber noch fast 30 Jahre, bis das Vereinsheim mit Terrasse in der heutigen Form eröffnet wurde. Inzwischen gehört es mit dem Sportplatz wieder der Stadt - aber das wird vermutlich in keiner Chronik mehr auftauchen.

