extra-Beiträge
Schwerer Abschied
von stephan hutt
degerloch.info: Hallo Herr Möck, vor 24 Jahren haben Sie in einer problematischen Phase des Waldheims die Leitung übernommen. Erinnern Sie sich noch an die damalige Situation?
Jürgen Möck: Ja, noch sehr genau, denn es gab große Unruhe innerhalb des ehrenamtlichen Leitungsteams mit personellen Veränderungen im Nachgang zu den Freizeiten im Jahr 2000. Viele Wamis (Waldheimmitarbeiter*innen) erklärten, dass sie auf keinen Fall 2001 mitmachen werden. Dann stehst du erst mal im Oktober ohne Zusagen da. Aber es kamen dann doch einige Ältere und auch Wamis, die ins Leitungsteam wollten. Und es war in allen Gesprächen mit besorgten Eltern und Kindern immer klar, dass es ein Ferienwaldheim 2001 mit beiden Freizeiten gibt.
degerloch.info: Das Waldheim kam dann ja in ruhigere Gewässer. Wie war der Einstieg damals für Sie?
Jürgen Möck: Nach den ersten Vorbereitungen mussten wir natürlich erst mal mit weniger Kindern planen, da sich im Frühjahr noch nicht so viele Wamis gemeldet hatten. Aber immer wieder konnten wir Kinder von den Wartelisten nachmelden, sodass bis zum Sommer alle einen Platz bekamen. Schon mit 15 Jahren war man 2001 Wami und es war ein stimmungsvoller und erlebnisreicher Ferienwaldheimsommer. Der Sommer 2001 war sicherlich ganz wichtig für die positive Aufbruchstimmung rund ums Ferienwaldheim Degerloch.
degerloch.info: Was waren denn ihre schönsten Erlebnisse und Momente im Waldheim?
Jürgen Möck: Auf jeden Fall das gemeinsame Singen mit allen Kindern und Wamis im großen Saal. Wenn bis zu 470 Menschen im sommerlichen heißen Saal loslegen, dann klirren schon die Scheiben und bei machen Liedern haben sich die Kleinen die Ohren zugehalten. Und dann natürlich, dass wir es als Team geschafft haben auch in den beiden Jahren mit den strengen Einschränkungen durch Corona 2020 und 2021 immer Freizeiten durchzuführen. Natürlich etwas anders als sonst, aber gerade für die Kinder war es damals unendlich wichtig und bedeute
degerloch.info: Und die weniger schönen?
Jürgen Möck: Es gibt immer wieder auch Kinder, die zum ersten Mal im Ferienwaldheim sind und denen es überhaupt nicht gefällt. Es war richtig schade, wenn wir es vom Leitungsteam mit den Wamis in der jeweiligen Gruppe mit allen Mitteln nicht erreicht haben, dass die Kinder bleiben wollten. Da kommt man schon ins Nachdenken und muss akzeptieren, dass es hunderten Kindern jedes Jahr aufs Neue super gefällt, aber es auch Kinder gibt, die nie mehr kommen.
degerloch.info: Sie haben zum Abschluss einer Waldheimfreizeit mit den Kindern immer das Lied "Nehmt Abschied Brüder" gesungen. Jetzt nehmen Sie Abschied. Wie geht es Ihnen dabei?
Jürgen Möck: Das letzte gemeinsame Singen mit der Hitparade der beliebtesten Ferienwaldheimlieder zum Ende der zweiten Freizeit war schon sehr tränenreich - auch bei mir. Es gibt jedes Jahr bei vielen Kindern und Wamis Tränen zum Abschied, doch ich hatte immer Gefühle von Dankbarkeit und Freude, dass fünf Wochen Ferienwaldheimzeit ohne große Unfälle vorbei sind. Aber 2024 war natürlich schon anders, denn es war klar - es ist wirklich das letzte Mal. Schön war, dass auch einige ehemalige Wamis extra wegen dem Singen dazugekommen sind. Der Abschied fällt richtig schwer, denn 24 Jahre in Degerloch ist schon eine lange Zeit.
degerloch.info: Sie wohnen in Vaihingen, werden Sie ihre Kontakte nach Degerloch weiterhin pflegen?
Jürgen Möck: In dieser langen Zeit und in meinem Beruf, wo es auf Beziehungen und Nähe ankommt, sind viele langjährige Kontakte entstanden. Alle werde ich nicht pflegen können, aber sicherlich werde ich mit einigen "Degerlöchern" (wie die Möhringer Waldheimleute uns nennen) persönlich Kontakt halten. So weit ist Vaihingen ja nicht entfernt.
degerloch.info: Wie wir hörten, möchten Sie im Ruhestand kein Ehrenamt annehmen. Wie werden Sie in Zukunft ihre Zeit im Rentnerdasein verbringen?
Jürgen Möck: Da muss ich widersprechen. Ich nehme sicherlich kein Ehrenamt in Degerloch an. Aber ich habe mich schon immer ehrenamtlich engagiert und werde das auch in Zukunft tun - aber halt nicht in Degerloch. Für das hoffentlich aktive Rentnerdasein gibt es noch keine Pläne. Das ist ja vielleicht der Charme, dass man mit Ruhe und Gelassenheit nach vorne blicken kann.
Vita
Jürgen Möck
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* Alter: 64
* Familienstand: Verheiratet, 3 Kinder, 1 Enkel
* Beruf: Diakon
* Wohnort: Stuttgart-Vaihingen
* Ehrenämter: Vorsitzender Weltladen Vaihingen, Mitarbeiter CVJM Sonnenberg
* Hobbies: Familienfreizeiten CVJM Sonnenberg, Singen mit Gitarre, Mountainbike fahren
* Lebensmotto: "Gemeinsam geht’s besser"

