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Eine Straße im Wandel der Zeit
von stephan hutt
Seit der Jahrtausendwende hat sich das Bild der Straßen im Ortszentrum von Degerloch deutlich verändert. Das betrifft auch die Nebenstraßen der nach Gustav Epple benannten Haupteinkaufsmeile. Zum Beispiel die Karl-Pfaff-Straße. Der 1866 gestorbene Namensgeber war einst Konrektor in Esslingen, aber auch ein anerkannter Historiker und Autor. Die "Geschichte der Stadt Stuttgart" verewigte er in zwei Bänden. Neben seiner Leidenschaft für das Schreiben engagierte sich Karl Pfaff auch ehrenamtlich im Vorstand des Schwäbischen Albvereins und im Deutschen Sängerbund. Mit Degerloch hatte der Karl aber eher weniger am Hut.
Einzelhandel und Handwerk gab es schon immer in der Karl-Pfaff-Straße, allerdings mit abnehmender Tendenz. Viele Degerlocher Bürgerinnen und Bürger erinnern sich noch an namhafte Geschäfte wie Damenmode Worch, Bäckerei Streib, die Metzgereien Rühl, Dürrschnabel und Rath, die Lichtpauserei Spannagel sowie einige andere. Im Laufe der Zeit haben sich Handel, Handwerk und Dienstleister immer mehr aus der 1938 nach Karl Pfaff benannten Straße, die früher Kirchstraße hieß, verabschiedet.
An dem Gebäude Karl-Pfaff-Straße 34 (Bild), in dem Ingrid Worch Degerloch einst mit Damenmode bereicherte, ist der Wandel am deutlichsten sichtbar. Zwei mal pro Jahr ließ die Geschäftsfrau früher regelmäßig Profi-Models die neuesten Kollektionen präsentieren, bis sie schließlich 2008 im Alter von 73 Jahren den Stecker zog. Die in Australien lebende Tochter kam als Nachfolgerin nicht in Frage und so tummelten sich von da an in den neu aufgeteilten Räumlichkeiten alle möglichen Branchen.
Second Hand, Wellness, Finanzen, Kosmetik, Verlagswesen, ein Schönheitsinstitut und viele mehr haben sich hier ausprobiert und oft nach kurzer Zeit den Standort wieder verlassen. Auch die Dampfbrüder wurden in der Karl-Pfaff-Straße 34 mit ihren E-Zigaretten-Utensilien nicht glücklich. Wie zuvor in anderen Bereichen der Karl-Pfaff-Straße wurden Maßnahmen ergriffen, um auch hier nach dem Gebäudeverkauf Geschäftsfläche in Wohnraum zu verwandeln.
Im Schatten der Epplestraße ist es nicht einfach mit Einzelhandel oder Dienstleistungsangeboten zu überleben. Mit Tradition und Qualität ist es dennoch machbar, wie die Friseurläden Haareszeiten und Kreativ Styling, das Blumengeschäft Beilharz, Heiner's Fresstöpfle sowie das Institut für Ganzheitskosmetik Liane Bott beweisen. Mit einem Edeka-Lädchen, wie es vor etwa 30 Jahren Karin Ott und ihr Mann in der Karl-Pfaff-Straße 28 betrieben, wäre das heute nicht mehr denkbar. Dabei sind es nicht nur Internet, Filialisten und das mangelnde Parkplatzangebot, die den Kleinen jenseits der Epplestraße das Geschäft vermiesen - sondern auch die Bequemlichkeit der Verbraucher.

