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Rückzugsort der Top-Manager
von stephan hutt
Wie der Killesberg war die Waldau schon immer ein Wohngebiet der Reichen und Prominenten. Und eine Daimler-Enklave. Mit Ola Källenius (Bild), der Ende Mai 2019 das Daimler-Zepter von Dieter Zetsche übernahm, gibt es seit Jürgen Schrempp auch wieder einen Vorstandsvorsitzenden in Degerlochs priviligiertestem Stadtteil. Im Gegensatz zu manchen seiner Kollegen und Amtsvorgängern lebt der aus Västervik in Schweden stammende Top-Manager allerdings nicht mittendrin, sondern am Rande der Waldau. Sein direkter Vorgänger kannte die Degerlocher Gastronomie recht gut, davon zeugten häufigere Besuche im "Fässle", dem früheren "Holzkrug" und der "Besenwirtschaft bei dr Elsbeth".
Die Waldau-Ära der Daimler-Top-Manager begann einst mit Fritz Koenecke. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende übte sein oberstes Konzern-Amt von 1953 bis 1960 aus. Er wohnte im Erlenweg und stand den Degerlocher Geschäftsleuten stets mit guten Ratschlägen zur Seite. Nach dem Unfalltod seines Sohnes zog er sich aus dem Automobilkonzern zurück. Nachfolger von Joachim Zahn als oberster Daimler-Chef war Gerhard Prinz, der bis 1983 im Amt war und vier Jahre nach seinem Ausscheiden im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb. Er war in der Waldstraße zu Hause und pflegte private und geschäftliche Kontakte zur Degerlocher Bauunternehmer-Familie Epple.
Helmut Werner, der am Waldesrand der Waldau wohnte und 1997 als Vorstandschef der Mercedes-Benz AG ausgeschieden ist, erfreute sich vor allem an der frischen Höhenluft unseres Stadtbezirkes, aber auch an örtlichen Geschäften und Restaurants wie dem "Gasthaus zum Hirsch". Als Globalisierung für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln war, referierte der begeisterte Jogger und Radfahrer bereits vor Degerlocher Gewerbetreibenden über diesbezügliche wirtschaftliche Zusammenhänge. Der gebürtige Kölner verstarb im Februar 2004 im Alter von nur 67 Jahren an den Folgen der Legionärskrankheit.
Im Silberpappelweg, ganz in der Nähe von Helmut Werner, wohnte Gerhard Liener. Der frühere Finanzvorstand erfuhr 1994 aus dem "Spiegel" von seiner bevorstehenden vorzeitigen Entlassung. Im folgenden Jahr nahm sich der promovierte Volkswirt in seiner Wohnung am Tegernsee aufgrund privater und finanzieller Probleme das Leben.
Ex-Personalvorstand Heiner Tropitzsch, der heute noch in Degerlochs renommiertestem Wohngebiet lebt, hat 1999 das Unternehmen verlassen. Er war lange Zeit der "letzte Mohikaner" der Daimler-Dynastie auf der Waldau, nachdem Eckhard Cordes, der im Silberpappelweg wohnte, Degerloch den Rücken kehrte. Der Mercedes-Chef bat den Aufsichtsrat im Jahr 2005 um die Auflösung seines Vertrages, nachdem ihm Dieter Zetsche als neue Nummer Eins bei Daimler vorgezogen wurde.
Nach zehnjähriger Tätigkeit musste Jürgen Schrempp, der auf Edzard Reuter aus dem Schönberg folgte und sein Amt an Dieter Zetsche übergab, Ende 2005 seinen Stuhl als Vorstandsvorsitzender räumen. Der wortgewaltige Daimler-Chef wohnte in der Felix-Dahn-Straße und zeigte sich sonntags öfter mit dem Kinderwagen auf der Epplestraße. Außerdem genoss er ganz in der Nähe seiner Villa laue Sommerabende im Biergarten beim "Griechen im Grünen". Sein Domizil in der Felix-Dahn-Straße hat er 2003 zugunsten einer Jugendstilvilla in München verlassen.
Eine Daimler-Enklave ist die Waldau trotzdem geblieben - vor allem Dank Ola Källenius. Der Chef des Unternehmens mit dem Stern zeigt sich immer wieder in den Vereinslokalen von Germania und HTC. Auf Einladung der CDU-Bezirksgruppe Degerloch referierte er im April diesen Jahres in der Alten Scheuer über Mobilität, Elektroantrieb, chinesische Konkurrenz, deutsche Arbeitsmoral und bekam zum Schluss noch die Kurve zu seinem Wohnort: "Ich liebe Degerloch, man bekommt alles vor Ort". Der Beifall war ihm sicher.

