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Waldau, quo vadis?
Die Umgestaltung des Degerlocher Sportgebietes sowie die zukünftigen Baumaßnahmen sind seit Längerem ein Schwerpunktthema des tus Stuttgart. Wir haben mit dem 1. Vorsitzenden Thomas Frey und Sportkreis-Präsident Fred-Jürgen Stradinger gesprochen.
von stephan hutt
Im Jahr 2019 hat Thomas Frey (Bild) den Posten des 1. Vorsitzenden des tus Stuttgart übernommen. Seitdem hat sich der Verein, der 1973 durch die Zusammenführung von SV Degerloch, Turnerbund Stuttgart und Stuttgarter Turnverein entstand, gut entwickelt. Heute ist er nach MTV Stuttgart und SpVgg Feuerbach mit über 5000 aktiven Mitgliederinnen und Mitgliedern und 14 Abteilungen der größte Verein der Landeshauptstadt. Wie das gesamte Sportgebiet Waldau steht auch der tus vor großen Herausforderungen, was die Zukunft betrifft.
degerloch.info: Herr Frey, seit wann laufen die Gespräche zwischen der Stadt und dem tus Stuttgart bezüglich der Baumaßnahmen auf allen drei tus-Geländen und wie ist der weitere Plan?
Thomas Frey: Bereits kurz nach der Amtsübernahme im Juli 2019 wurden meine Vorstandskollegen und ich diesbezüglich vom Amt für Sport und Bewegung (AfSB) kontaktiert. Nach einigen informativen Gesprächen wurde vereinbart, weiter im Rahmen einer Planungswerkstatt miteinander zu sprechen. Auslöser dieser Gespräche ist der geplante Bau einer dritten Eissporthalle. Diese soll parallel zum Königsträßle im Anschluss an die bestehende Eishalle 1 auf dem Gelände entstehen, welches aktuell von unserem Verwaltungsgebäude mit Kindersportschule, Sportkindergarten und unserem Fitnessstudio belegt ist. In diesem Fall müssten wir mit unserem Gesamtkomplex in einen Neubau auf dem Gelände tus II umziehen.
degerloch.info: Wie würden Sie die Gespräche mit der Stadt in Bezug auf inhaltliche Konzepte, zeitliche Planung, Kosten und den Interessen des tus beurteilen?
Thomas Frey: Die Gespräche verlaufen konstruktiv. Beide Seiten entwickeln das Projekt mit gegenseitigem Respekt und einem qualitativ hochwertigen Austausch von Informationen. Die eine Seite kann durch planungs- und baurechtliche Informationen aufwarten, die andere Seite meldet Bedarfe an, die aktuell vorhanden sind, mit der Option, diese zu erweitern. Wir sind natürlich sehr daran interessiert, unsere räumlichen Möglichkeiten dem wachsenden Bedarf an modernen Sport- und Trainingsflächen anzupassen.
degerloch.info: Wie man hört, braucht ihr Verein Planungssicherheit aufgrund notwendiger Investitionen. Was denken Sie, wann könnte es soweit sein, dass die Stadt ihre endgültige Waldau-Planung öffentlich macht, die auch die Interessen des tus zufriedenstellend berücksichtigt?
Thomas Frey: Aussagen über zeitliche Abläufe sind in diesen Bereichen äußerst schwer zu treffen. Wir lernen bei jedem Treffen mit den Gesprächspartnern der Stadt hinzu, werden über neue Entwicklungen informiert, welche das Sportgebiet Waldau betreffen. Ein ums andere Mal sind wir überrascht, wie komplex und vielschichtig sich die Bedürfnisse der einzelnen Parteien auf der Waldau darstellen.
degerloch.info: Bei der Neugestaltung der Waldau und den notwendigen Baummaßnahmen sind innovative technische Lösungen und Nachhaltigkeit unerlässlich. Wie weit ist man diesbezüglich?
Thomas Frey: Für unser Projekt "tus 2030" kann ich nur ausführen, dass wir dies natürlich unter den Gesichtspunkten Nachhaltigkeit und Energieeffizienz planen. Hierzu braucht es aber noch erheblich Zeit, da unsere grundsätzlichen Planungen mit dem AfSB bisher nicht so weit sind. Für die Waldau verweise ich auf die neue Waldau-Sporthalle. Diese liefert aus ihrer PV-Anlage Strom, den die Eiswelt zur Eisgewinnung einsetzt. Im Gegenzug wird Wärme, welche durch die Eisherstellung entsteht, zur Beheizung der Waldauhalle verwendet.
degerloch.info: Immer wieder wird eine dritte Eishalle gefordert. Wie sehen Sie dieses Projekt unter den Kriterien Notwendigkeit, Kosten, Energie und vor allem Klimaneutralität?
Thomas Frey: Hier schlagen drei Herzen in meiner Brust. Als Privatmann sehe ich das Projekt unter den von Ihnen genannten Aspekten kritisch. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein solches Projekt wirklich klimaneutral betrieben werden kann. Als Sportler kann ich die Belange und Befindlichkeiten der Eissportler in Stuttgart sehr gut nachvollziehen. Als tus-Vorsitzender sehe ich ein tolles Potenzial für den Verein, sich in neuen Gebäuden und Sportstätten modern aufstellen zu können. Allerdings bedeutet dies aber auch eine gewaltige finanzielle Belastung für den Verein über einen derzeit nicht überschaubaren Zeitraum.
degerloch.info: Eine Neubebauung inklusive Verwaltung, Gastronomie, Fitnessstudio und Sporthalle auf dem bisherigen Gelände tus 2 oder eine wesentlich schnellere Kernsanierung der bestehenden Gebäude - was würden Sie favorisieren, auch unter dem Aspekt Zeitverlauf und Kosten?
Thomas Frey: Aufgrund meines aktuellen Kenntnisstandes tendiere ich zu einem zweigleisigen Vorantreiben des Projekts. Als Grund hierfür sehe ich die lange Zeitschiene, welche die Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten in Anspruch nehmen wird. Diese Planung kann zudem durch nicht kalkulierbare äußere Einflüsse (siehe Ukrainekrieg / Energiekrise) auch zur Einstellung führen. Deshalb werden wir parallel die Sanierung im Bestand vorantreiben. Wir können unseren Sportlern, Mitgliedern und Mitarbeitern den aktuellen Zustand unserer Sportstätten und Verwaltungsgebäude so nicht weiter anbieten.
degerloch.info: Ein zukunftsorientiertes Konzept für das Sportgebiet Waldau sollte eigentlich auch das Thema Synergien zwischen den Vereinen beinhalten ...
Thomas Frey: Der tus Stuttgart pflegt zu einigen Vereinen auf der Waldau und Schulen im Stadtbezirk bereits sportliche Kooperationen. Beständig arbeiten wir auch an der Erweiterung dieser Zusammenarbeit. Die wieder ins Leben zurückkehrende IG Waldau, eine Interessengemeinschaft der ansässigen Vereine, ist hier ein gutes Beispiel. Als Vorsitzender des tus Stuttgart habe ich beim letzten Treffen das Angebot gemacht, kleinere Vereine bei der täglichen Verwaltungsarbeit durch unsere eigene, sehr leistungsstarke und effizient arbeitende Verwaltung zu unterstützen, ohne die Eigenständigkeit der Vereine infrage zu stellen.
degerloch.info: Kommen wir zum Schluss. Wohin möchte sich der tus mit seinen Angeboten entwickeln, und was verbirgt sich hinter dem in Ihrer Mitgliederzeitschrift erwähnten Projekt "Vision 2030".
Thomas Frey: Der tus Stuttgart ist mit seinen 14 Sportabteilungen hervorragend aufgestellt. Das Angebot wird durch den Sportkindergarten und die Sportschule perfekt ergänzt. Aktuell bauen wir unser Angebot im Reha- und Gesundheitssport in größerem Umfang aus und werden unser Kursangebot erweitern. Die weitere Entwicklung wird vermutlich wie bei anderen Vereinen auch dadurch gedeckelt, dass der gravierende Mangel an Sportstätten nicht von heute auf morgen behoben werden kann. Wir haben in fast allen sportlichen Bereichen Wartelisten oder einen Aufnahmestopp veranlassen müssen. Die nahezu lückenlose und hocheffizient gemanagte Auslastung unserer Sportstätten verhindert zusätzliche Angebote. Das Projekt "tus 2030" beschreibt nichts anderes, als die Aktivitäten rund um die geplante Verlegung unserer Sportstätte von tus 3 nach tus 2. Auslöser ist die seit mehr als einem Jahrzehnt im Raum stehende Planung für eine dritte Eissporthalle.
Das sagt Fred-Jürgen Stradinger
Stadtrat und Präsident Sportkreis Stuttgart
Zum tus: "Der tus Stuttgart ist ein sehr gut aufgestellter Verein mit einem facettenreichen Angebot, das sehr gut angenommen wird. Ich sehe ihn als Perle und Vorzeigeverein für die Waldau und ganz Stuttgart. Die innovative und vorausschauende Arbeit des Vorstandes hat tolle Früchte getragen. Auch die Vernetzung durch Gespräche, unter anderem mit dem Sportamt und dem Sportkreis, zeigen die Aufgeschlossenheit und den Vernetzungscharakter der handelnden Vereinsvertreter. Ich wünsche dem tus, dass er konstruktive Unterstützung durch die Stadt findet, was die Sanierung oder Neubauplanung im Immobilienbereich betrifft."
Zur Waldau: "Erste Planungswerkstätten zur Weiterentwicklung des Sport- und Erholungsgebietes Waldau gab es bereits in den Jahren 2012 und 2015. Zwischenzeitlich hat sich manches getan. Ich hätte mir mehr Unterstützung durch die Beratungen des Gemeinderates zum Doppelhaushalt 2024/25 für die Weiterentwicklung des Sportgebietes und seinen Vereinen mit ihren Anliegen gewünscht, um mehr Dynamik hineinzubekommen. Eine Mehrheit für eine dritte Eishalle ist derzeit schwierig, ich schaue aber trotzdem positiv in die Zukunft, was die Waldau als Ganzes betrifft."

