EXTRA - ARCHIV
Gastro früher und heute
von stephan hutt
Ja, so war's - Degerloch im Jahr 1957, als die frühere Tübinger Straße nach dem örtlichen Bauunternehmer Gustav Epple umbenannt wurde. Unser Bild zeigt die Degerlocher Haupteinkaufsstraße auf einer Postkarte - abgestempelt am 24. März 1925. In jenem Jahr wurde der Standard-Dosenöffner mit dem kleinen Rädchen erfunden, Paul von Hindenburg wurde Reichspräsident, außerdem erschien Franz Kafkas bekannter Roman "Der Prozess". So viel zu anno dazumal.
Auf der Postkarte aus dem Buch "Ansichtssache Degerloch" aus dem Jahr 2011 erkennt man links das Gasthaus Löwen mit seinem weit herausragenden Wirtshausschild. Ganz im Hintergrund das heute noch bestehende Lindenplätzle mit seiner Linde, die kurz nach der Eingemeindung Degerlochs von der Stadt Stuttgart gepflanzt wurde. Gastronomie spielte zu früheren Zeiten eine bedeutende Rolle in der heutigen Epplestraße. Aber nicht nur hier, auch in der Jahnstraße und Karl-Pfaff-Straße gab es mehrere Ausgeh-Möglichkeiten.
So manche Degerlocherinnen und Degerlocher erinnern sich noch an die vielen früheren Gasthäuser, Lokale und Kneipen zwischen der einstigen Krone an der Ecke Karl-Pfaff- und Jahnstraße bis zur heutigen Filderhöhe. Ob Zackestüble, auch "Zacke" und "13" genannt, Schweizerhaus, Wilhelmshöhe, Ritter, Wienerwald, Café Klein, Löwen, Café Laicher, Holzkrug, Rhodos, Domus, Waldhorn - die interessante und vielseitige Auswahl auf kurzer Distanz bietet in Degerloch immer wieder reichlich Gesprächsstoff, auch wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten der örtlichen Geselligkeit dienten.
Nach der Schließung von Pilsstube Ritter, HendlBurg, Tavola Calda und Café Olé ist das gastronomische Angebot im Ortszentrum von Degerloch sehr übersichtlich geworden. Vor einigen Monaten führten die "Stuttgarter Nachrichten" eine Umfrage unter dem Motto "Heimat-Check" durch, der verschiedene Bereiche betraf. Bei der Umfrage zur Lebensqualität in den Stadtbezirken belegte Degerloch vor Sillenbuch Platz eins. Diese Bewertung ist mit etwas Lokalkolorit noch nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zu Platz vier in der Gastronomie. Lediglich die Stadtbezirke Mitte, West und Süd, die über eine immense Auswahl an Restaurants, Kneipen, Cafés und Bars verfügen, landeten vor Degerloch.
Anlässlich dieser Platzierung fragt man sich schon - wer hat da eigentlich aus Degerloch an der Umfrage teilgenommen? Ständig steht die im Ortszentrum rückläufige gastronomische Vielfalt in der Kritik, während frühere Zeiten hochgelobt werden. "Weißt du noch, die Zacke-Wirte Hilde und Gerhard", oder "die Göckele zum Mitnehmen im alten Wienerwald", "die frischen Salate bei 'zum Wooohle'-Wirtin Mili im Holzkrug", oder "Jake, der Kult-Wirt im Domino" sowie "Hirsch-Betreiber Adolf Mack, der jeden Abend ein Handtuch über seine Kasse legte" - Erinnerungen, die immer mal wieder die Runde machen.
Im Gegensatz zum Ortszentrum, kann sich die gastronomische Vielfalt in den Degerlocher Sportgebieten inzwischen durchaus sehen lassen. Früher war's andersrum.

