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Feste-Marathon
von stephan hutt
Der Degerlocher Veranstaltungskalender bietet so einiges an "Feiertagen". Los geht's in der Regel mit der Maibaumaufstellung der Freiwilligen Feuerwehr am 1. Mai und dem weiteren Festetreiben mit dem "Tanz in den Mai" sowie der Hocketse mit dem traditionellen "Tanz in den Sonntag" des Schwäbischen Albvereins. Über mangelnden Besuch können die Feuerwehrler wie immer nicht klagen. Getanzt wurde beim Degerlocher Frühling des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) eher nicht, obwohl die Band "Hirschfieber" mit flotten Rhytmen beste Voraussetzungen bot. Bei sommerlichen Temperaturen war der Besucherandrang im Waldheim Degerloch im Verhältnis zum Vorjahr etwas rückläufig, da der Termin am Muttertag viele Familien zu einem Ausflug in die örtliche Gastronomie bewegte.
Vom "Degerlocher Frühling" zum Degerlocher Sommer. Das im Verhältnis zu früher reduzierte Event konnte mit seinem Konzept und dem Bühnenprogramm nicht überzeugen - die Quittung waren viele leere Plätze. Dabei hatte es bei der Veranstaltung im Juli mit dem Bobby Car-Hindernisrennen am Marktplatz noch richtig gut angefangen: viel Publikum, reichlich Spaß und schräge Bobby Cars. Der GHV ist auf einem guten Weg, das Konzept zu überdenken und eventuell ganz neu zu starten. Solche Probleme sind den Degerlocher Wengertern fremd. Die Schimmelhüttenhocketse Ende Juni ist ein Publikumsmagnet, auch wenn dieses Jahr aufgrund der Hitzewelle einige Stammgäste zuhause blieben. Beim 75-Jährigen Jubiläum des SV Hoffeld ging im Juli ordentlich die Post ab, dank "von Liebenstein - der Party-Graf", der selbst bei Scheidungen für beste Stimmung sorgt.
Hoch her ging's auch bei der zweiten Auflage von Viertele im Viertel (Bild oben). Dagegen konnten selbst ein paar dunkle Wolken und ein vorübergehender Regenschauer nichts ausrichten. Das von Bezirksvorsteher Colyn Heinze konzipierte Weinfest zieht die Massen an und sorgt für einen guten Besucher-Mix aus Jung und Alt. Die Event-Erfahrung des Degerlocher Rathaus-Chefs im kulturellen Bereich als 2. Vorsitzender des Hotels Central färbt auf Degerloch ab, sodass viele beim "Viertele im Viertel" gerne an zwei Tagen nacheinander und miteinander anstoßen würden.
Großes ehrenamtliches Engagement mit 500 Freiwilligen erforderte der WaldauSommer anlässlich 70 Jahre Fernsehturm. Hierbei tat sich besonders der tus Stuttgart unter der Führung ihres Vorsitzenden Thomas Frey hervor. Das Programm des zweitägigen Events war vielseitig, der Besuch je nach Tageszeit unterschiedlich - die Resonanzen der Gäste ebenfalls. "Laut den Ehrenamtlichen waren der Besuch und die Stimmung gut und die Vereine sind zusammengerückt", lautet das positive Fazit des tus-Vorsitzenden. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Das jährliche Gemeindefest der evangelischen Kirche im Waldheim Degerloch ist gesetzt im örtlichen Jahreskalender - und das wird auch ohne großes Spektakel so bleiben.
Aber was wäre Degerloch ohne seine "kleinen" Feste, die mit viel Liebe und Engagement das jährliche Festetreiben auf ihre Art bereichern? Zum Beispiel das Sommerfest Ende August des Wein-, Obst- und Gartenbauvereins (Bild mitte) im Lerchenfeld. Idyllisch gelegen zwischen Bäumen und Sträuchern, dazu ein Mittagessen aus der Open Air-Küche von Ex-Hirsch-Wirt Werner Epple und seinem Kollegen Heinrich Jobi und - man glaubt es kaum, einem separaten Raucher-Plätzchen. Was will man mehr? Vielleicht Maultaschen von Hoffeld-Wirt "Rü" Spahr, denn die werden im September beim jährlichen Weinfest der Landwirtsfamilie Straif Ecke Alb- und Sigmaringer Straße verzehrt. Und obendrauf gibt's für Pferdeliebhaber bei den Straifens noch was zum Gucken und Streicheln.
Im September sind die örtlichen Festlesgänger im Scharrenberg mit der jährlich gut besuchten Wandernden Weinprobe unserer Wengerter bereits auf die Zielgerade des festlichen Angebotes eingebogen. Es folgte die Hocketse zum 75-jährigen des Degerlocher Frauenkreises (Bild unten) mit der längst fälligen Ehrung der früheren Vorsitzenden Hannelore Sommer und der Einweihung des "Hannelore-Sommer-Weges". Das Fest überzeugte zudem mit einem gelungenen Rundum-Programm.
So langsam steuern wir auf das Fest zu, dass am letzten Oktober-Wochende stattfindet und das viele für das Wichtigste im Stadtbezirk halten. Vor allem jene, die nach München, Herrsching oder in die Schweiz ausgewandert sind und einmal im Jahr ihre alten Weggefährten treffen wollen, die in Degerloch hängengeblieben sind. Die Rede ist von der Degerlocher Kirbe. Zu diesem Fest befragen wir mal nicht den Arzt oder Apotheker, den manche hinterher brauchen, sondern die KI. Die Antwort kommt schneller als schnell: "Gäste beschreiben die 'Degerlocher Kirbe' oft liebevoll als 'Den Wasen des kleinen Mannes', der mit seinem bodenständigen Charakter überzeugt." Okay, wieder was gelernt! Möge es die Kirbe ewig geben - aber das ist eben (noch) nicht in Stein gemeißelt.
Die Ehrenamtlichen der Degerlocher Abteilung überlegen schon länger, ob sie aufgrund der baden-württembergischen Steuereinstufung für Festlichkeiten von Vereinen und gemeinnützigen Einrichtungen weiterhin ehrenamtlich tätig sein wollen. Wenn nicht - dann war's das mit dem "Wasen des keinen Mannes". Mit dem Advent am Rathaus von Bezirksamt und GHV, vielen Ständen, Bühnenprogramm und reichlich Glühweinduft endet der 2026er Feste-Marathon durch Degerloch. Ganz schön viel los im Flecken - finden sie nicht?

