EXTRA - ARCHIV
Es liegt und liegt und liegt ...
von stephan hutt
Unser Foto zeigt Degerlochs wichtigste Straße mit wenig Autos, einigen Radfahrern und Fußgängern sowie der damaligen Leuna-Zapfsäule am Lindenplatz um das Jahr 1938. Das Transparent wirbt für das aus Kohle synthetisch hergestellte "Deutsche Benzin", das im Dritten Reich aus militärischen Gründen eine große Bedeutung hatte. In den 50er Jahren wurde an der Stelle, dem heutigen Lindenplatz - manche sagen auch Lindenplätzle - eine Gasolin-Zapfsäule betrieben. Dass man im Hintergrund eine Fahne mit dem Hakenkreuz erkennt, zeigt, dass jene Zeit auch an Degerloch nicht spurlos vorbeiging.
Die nach dem Bauunternehmer Gustav Epple benannte und bekannte Straße mit wenig Verkehr - so wünschen sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger das heutige Zentrum unseres Stadtbezirkes. Manche träumen von einer reinen Fußgängerzone - oder zumindest von reichlich Shared Space, einem Planungskonzept, mit dem vom Autoverkehr dominierter Straßenraum lebenswerter, sicherer sowie im Verkehrsfluss verbessert werden soll. Shared Space gehört auch zu dem örtlichen Verkehrskonzept, das seit dem Jahr 2018 bei der Stadt liegt. Dort liegt und liegt und liegt das, was der Gewerbe- und Handelsverein Degerloch (GHV) in Kooperation mit den Grünen und der CDU vor fünf(!) Jahren erarbeitet hat und die Zustimmung des Bezirksbeirates fand.
"Ich möchte die Umsetzung dieses Verkehrskonzeptes anpacken, das schon viel zu lange in der Schublade der Verwaltung liegt, obwohl es vom Bezirksbeirat und den weiterführenden Gremien mit großen Mehrheiten beschlossen wurde", sagt Degerlochs neuer Bezirksvorsteher Colyn Heinze. Die Mühlen der Stadt mahlen oft in Zeitlupe, das hat sich auch unter Oberbürgermeister Frank Nopper nicht verändert. Aber vielleicht kann Degerlochs neuer Rathauschef in diesem Anliegen, das den Ortskern attraktiver machen soll, die städtische Verwaltung etwas wachrütteln und die Umsetzung des Konzeptes beschleunigen. Es wäre längst an der Zeit!

