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Ende einer Ära
von stephan hutt
Die große Schachtel im Büro von Elektro Reihle ist beschriftet mit "Geschichte" und "Gründung 1. April 1930". Darin verbirgt sich ein buntes Allerlei aus Fotoalben, Zeitungsausschnitten, Inseraten und Auszeichnungen. Gesammelt von Rolf Reihle, der am 14. September 2023 im Alter von 85 Jahren nach langer Krankheit gestorben ist. Ein Jahr später ist auch die Firma in der Epplestraße 26 + 34 Geschichte, die der Senior im Jahr 1974 von seinem Vater Rudolf übernahm.
Dabei hätte es eigentlich anders kommen sollen. Rudolf Reihle, der unermüdlich in seinem Betrieb ackerte, wollte seinem Jüngling Rolf mit Argumenten wie Arbeitszeit, Rente, Freizeit und Urlaub die geistliche Laufbahn schmackhaft machen. Es wurde aber nichts mit der kirchlichen Tätigkeit von Rolf Reihle, der zu seinen Lebzeiten immer sagte "als katholischer Pfarrer wäre ich völlig ungeeignet gewesen". Nach der absolvierten Meisterprüfung setzte er auf das richtige Pferd und entwickelte den Handwerksbetrieb und das Ladengeschäft, das lange Zeit von seiner Frau Waltraud geführt wurde, zu einem wichtigen Degerlocher Fachunternehmen.
Schon lange vor seinem Tod beschäftigte sich Reihle mit der Zukunft für seine Firma. Eine Lösung schien sich auch anzubahnen, aber Corona warf alles wieder über den Haufen. Für Sohn Volker (63) und seine Frau Konstanze (60), die seit längerem den Laden führt, war eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebes nach langen Überlegungen und Gesprächen keine Lösung. "Das Risiko wird nicht geringer und es ist immer schwieriger Fachpersonal zu finden", sagt Volker Reihle und verweist darauf, dass er und seine Frau noch über zehn Jahre arbeiten müssten, damit sich die Fortführung einigermaßen lohnt.
Eine Übernahme des Degerlocher Traditionsbetriebes durch externe Interessenten hat sich ebenfalls nicht ergeben. "Wir haben alles versucht, über die Innung, die Handwerkskammer und auf privaten Wegen - es hat nicht sollen sein", blickt Reihle auf die letzten Monate zurück. Bürokratie, Freizeit, Fachpersonal - es wird immer schwieriger einen Betrieb zu übergeben. Von den rund eine Million Handwerksbetrieben in der Bundesrepublik müssen laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in den nächsten Jahren über 120 000 Familienbetriebe die Unternehmensnachfolge lösen. Bei Elektro Reihle war dies nicht möglich, somit verliert der Ortskern von Degerloch nach Bubeck - rund ums Wohnen und der Spitzweg Apotheke innerhalb kurzer Zeit ein weiteres Traditionsgeschäft. Der Räumungsverkauf läuft - danach endet eine über 90-jährige Ära.

