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Einer mehr!
von julian keller
Die Ergebnisse der Europawahl wurden von den Medien bereits mit allen möglichen Hintergründen, Statements und Erklärungen abgehandelt, deshalb blicken wir lieber auf die Kommunalwahl. 57,1 Prozent der Wahlberechtigten haben teilgenommen, reichlich wenig, wenn man bedenkt, dass erstmals auch die Jugend ab 16 Jahren an die Wahlurnen gebeten wurde. Sicherlich lag es mit an dem aufwändigen Wahlverfahren, dass die Wahlbeteiligung stadtweit nicht die 60-Prozent-Grenze erreichte.
14 Parteien, von denen einige für die Wähler ein Buch mit sieben Siegeln sind, werden zukünftig im Stuttgarter Gemeinderat Platz nehmen. Bei den abgegebenen Stimmen hat die CDU die Nase vorn mit 23,4 Prozent, dahinter rangieren die Grünen mit 22,9 Prozent, gefolgt von der SPD mit 11,1 Prozent, der AfD mit 8,3 Prozent, der FDP mit 7,4 Prozent, den Freien Wählern mit 6,2 Prozent, die Linke mit 4,5 Prozent und die SÖS mit 4,1 Prozent - der Rest spielt sich zwischen 2,8 und 0,4 Prozent ab.
Etwas anders stellt sich das Wählerverhalten in Degerloch dar: CDU 26,8 Prozent, Grüne 24,1 Prozent, FDP 11,6 Prozent (Foto), SPD 10,3 Prozent, AfD 5,8 Prozent, Freie Wähler 5,5 Prozent, SÖS 3,5 Prozent, Linke 3,2 Prozent, Sonstige 15,9 Prozent - Wahlbeteiligung 68,8 Prozent.
Spannend war vor allem die Frage, wer unseren Stadtbezirk zukünftig im Gemeinderat vertreten wird. Beate Schiener von den Grünen war ebenso gesetzt wie Eric Neumann von der FDP und Maria Hackl von der SPD. Nicht ganz so sicher durfte sich Fred-Jürgen Stradinger von der CDU sein, er hat den Sprung ins Stadtparlament dieses Mal nicht geschafft. Trotz allgemein zunehmender Akzeptanz bei der Wählerschaft war es für viele überraschend, dass der frühere Degerlocher CDU-Bezirksbeirat Siegfried Fachet nach seinem Wechsel zur AfD dem neuen Stadt-Parlament angehört.
Abwechslung ins örtliche Wahlgeschehen brachten zwei ganz unterschiedliche Kandidaten. Zum einen der Degerlocher Landtagsabgeordnete Friedrich Haag, der sich auf lokaler Ebene bereits als Bezirksbeirat engagierte. Für Unterhaltung im Wahlkampf sorgte unser Mitbürger Florian Gauder, der sich ohne politische Erfahrung für die CDU ins Rennen stürzte. Ob es an seiner Wahlwerbung lag oder an seinem Bekanntheitsgrad in der Stuttgarter Party- und Eventszene - der örtliche Bauunternehmer hat zwar ein respektables Ergebnis eingefahren, aber von Listenplatz 25 den Sprung ins städtische Gremium verpasst.
Für reichlich Freude bei seinen Parteigenossen und vielen Degerlocher Mitbürgerinnen und Mitbürgern sorgte aber Friedrich Haag. Von Listenplatz 11 der FDP ging der Unternehmer, Landwirt, Feuerwehrmann und Ehrenamtliche in verschiedenen Funktionen ins Rennen. Seine Präsenz im Wahlkreis als Landtagsabgeordneter, seine Öffentlichkeitsarbeit sowie die Fähigkeit, Probleme klar und direkt anzusprechen und Lösungen aufzuzeigen, wurde von den Wählerinnen und Wählern honoriert - Haag ist zukünftig Mitglied des Landtages und des Gemeinderates. Bleibt nur zu hoffen, dass er diese Aufgabe genauso ernst nimmt, wie jene im baden-württembergischen Landtag.
Einer mehr - so lautet aus Degerlocher Sicht das personenbezogene Ergebnis der Kommunalwahl 2024. Mit den neuen Gremiumsmitgliedern Friedrich Haag und Siegfried Fachet vertreten zukünftig fünf statt bisher vier Personen unseren Stadtbezirk im städtischen Parlament. "Ich freue mich für Friedrich Haag, bedauere es aber sehr, dass Fred-Jürgen Stradinger dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehört", bringt Degerlochs Bezirksvorsteher Colyn Heinze die Wählerentscheidungen auf den Punkt.

