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Degerloch wird ärmer sein ...
von stephan hutt
Wir sitzen in einer der winterlich ausgestatteten Hütten am "Waldauerle" und lassen die vergangene Zeit Revue passieren. Es war das Jahr 2010 als Sir Waldo Weathers aus Louisville im US-Bundesstaat Kentucky nach Deutschland kam und einige Zeit später seiner zukünftigen Lebenspartnerin Daniela Merz begegnete. Schon bald folgte der Start zu einem gemeinsamen Projekt, das es bisher in Stuttgart so nicht gab. "Mit Liebe kochen und das mit Soulmusik live kombinieren", bringt es Sir Waldo auf den Punkt. Und Livemusik bedeutete für das jahrzehntelange Mitglied der legendären James Brown Band schon immer "Musik, die aus der Seele kommt".
Als wir über die Gründe für das Ende des "Soul Snacks" sprechen, wird Sir Waldo von zwei jungen Waldschülern begrüßt, die sich enttäuscht zeigen über die Nachricht, dass es den Treffpunkt am Fuße des Fernsehturms nicht mehr gibt. "Einen McDonalds haben wir überall. Das, was ihr gemacht habt, war etwas Besonderes", bemerkt einer der beiden, der zukünftig in der Mittagspause auf Hamburger und Currywurst à la Waldo verzichten muss. Die Gründe für die Aufgabe des individuellen Anlaufpunktes auf der Waldau sind vielschichtig. "Sicherlich haben wir auch Fehler gemacht. Unter finanziellem Aspekt hat sich das 'Soul Snacks' allerdings seit Längerem zur Wechselstube entwickelt", sagt Daniela Merz. Sie erwähnt aber auch die politischen Entscheidungen und Maßnahmen, die zu dem Entschluss geführt haben, einen Schlussstrich unter das Kapitel "Soul Snacks" zu ziehen, das sie mit viel Herz und Leidenschaft betrieben haben.
Wie bei vielen Geschäftsaufgaben im Gastrogewerbe haben vor allem die steigenden Kosten in den Bereichen Energie, Mehrwertsteuer und Wareneinkauf das Ende einer Imbiss-Kultureinrichtung bereitet, die für Degerloch von großer Bedeutung war. Dazu kamen der immense Pachtbetrag sowie die teils kaum nachvollziehbaren Auflagen der Stadt Stuttgart. "Livemusik ist in einem Restaurant erlaubt, aber nicht in oder an einem Imbiss" bringt es Daniela Merz auf den Punkt. Erst nachdem sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann sowie Oberbürgermeister Frank Nopper nach einem Besuch vor Ort eingeschaltet haben, sprang die Stadt Stuttgart über ihren Schatten und gewährte fünf Veranstaltungen pro Jahr. Allerdings ist auch der Einfluss eines Stadtoberhauptes begrenzt. Sir Waldo formuliert es auf seine Art: "Obama war für mich ein guter Präsident, aber über das Toilettenpapier im Weißen Haus haben andere entschieden."
Auch Bezirksvorsteher Colyn Heinze hat das Gastro-Paar hilfreich unterstützt. Als im vergangenen Sommer ein kostenintensiver Bescheid der Stadt für die Genehmigung der Live-Acts unter freiem Himmel einging, wurde das Thema nach seiner Intervention adacta gelegt. Letztendlich hat auch das nicht geholfen, das "Soul Snacks" am Leben zu halten. In Erinnerung bleiben die stimmungsvollen Konzerte mit bis zu 500 Gästen, die aus nah und fern auf die Waldau strömten, um "Sir Waldo & Friends" in ihrem Element zu erleben. "Hier waren international renommierte Musiker und Sängerinnen zu Gast, ein solcher Magnet an Klasse wird zukünftig in Degerloch und der Region fehlen", sagt der Degerlocher Musiker Mario Nantscheff, der als Songschreiber und Komponist unter seinem Künstlernamen Jean-Luc Delmonac mit Sir Waldo gemeinsam Songs aufgenommen hat. Für ihn ist das Ende "ein bitterer, tiefer Moll-Akkord".
Auch Bezirksvorsteher Colyn Heinze zeigt sich enttäuscht über die aktuelle Entwicklung. "Das Ende des 'Soul Snacks' ist eine sehr traurige Nachricht zum Start ins neue Jahr. Für mich war der Imbiss eine Institution auf der Waldau, auch wegen des kulturellen Programms. Dieser zentrale Treffpunkt muss weiter bespielt werden", sagt der Degerlocher Rathauschef. Aber dann bitte wieder in fröhlichen Dur-Akkorden.
Soul Snacks, Waldo, Daniela - ihr habt Degerloch enorm bereichert!

