EXTRA - ARCHIV
Ein ganz besonderes Haus
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog sich in der Kunst ein revolutionärer Wandel, denn sie öffnete sich der Abstraktion. An der Wiege der Moderne stand der Stuttgarter Kreis um Adolf Hölzel, in dessen Haus auf der Waldau namhafte Künstler ein- und ausgingen. Dazu gehörten Oskar Schlemmer, Willi Baumeister, Johannes Itten und seine Schülerin Ida Kerkovius. In besagtem Haus in der Ahornstraße 22 lebte Hölzel, der 1853 im mährischen Olmütz geboren wurde, von 1919 bis zu seinem Tod im Jahre 1934.
Über viele Jahre organisierte die Adolf Hölzel-Stiftung Führungen durch die Räumlichkeiten Ecke Felix-Dahn-Straße und Ahornstraße. Dies war seit längerer Zeit nicht mehr möglich, denn die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das traditionsreiche Gebäude zu renovieren und zu dem zu machen, was Hölzel und seinem Werk geschuldet ist – zu einem Ort der Erinnerung an den Großmeister der Moderne und zu einer Quelle der Inspiration für Kunstinteressierte.
Nach gut zwei Jahren Umbauzeit wurde vor Kurzem das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Malers wiedereröffnet - damit haben die Stadt Stuttgart und alle weiteren Förderer Degerloch ein ganz besonderes Haus beschert. Künftig werden hier Werke von Adolf Hölzel und anderer Künstlerinnen und Künstler öffentlich zugänglich gemacht, Veranstaltungen für Freunde der modernen Kunst organisiert und Räume zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des kunsttheoretischen Nachlasses des Künstlers angeboten. Dem künstlerischen Nachwuchs steht eine Wohnung mit Atelier zur Verfügung. Zugleich eröffnet im Anbau eine Kunstschule, in der zukünftig Workshops stattfinden werden. Die Umbaukosten von rund 1,8 Millionen Euro wurden von der Landeshauptstadt Stuttgart und von privaten Förderern übernommen.
Mit dem Kauf und der Sanierung des Gebäudes auf der Waldau wurde das Schaffen von Hölzel und sein Einfluss auf die Moderne in hervorragender Weise gewürdigt. Seiner Schülerin Ida Kerkovius, die ebenfalls in Degerloch lebte, wurde für ihr künstlerisches Wirken bis heute die Anerkennung versagt. Dabei ging es lediglich um die Benennung eines Weges in der Nähe ihres früheren Hauses an der Nägelestraße. Adolf Hölzel hätte dafür vermutlich kein Verständnis gehabt. Julian Keller
Weitere Infos + Veranstaltungen:
https://www.adolf-hoelzel.de/
Öffnungszeiten:
Freitag + Samstag 15 bis 19 Uhr
Sonntag 11 bis 18 Uhr
Eintritt:
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder + Jugendliche gratis

