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Heimspiel
Nach der dreijährigen Amtszeit von Marco-Oliver Luz war die Stelle des Bezirksvorstehers von Degerloch seit Jahresbeginn nicht mehr besetzt. In dieser Zeit leitete dessen Stellverteter Martin Buchau die örtlichen Amtsgeschäfte. Nachdem andere Kandidaten frühzeitig ausgeschieden sind oder ihre Bewerbung zurückgezogen haben, war der Weg frei für Colyn Heinze. Nach der einstimmigen Empfehlung des Bezirksbeirates hat der Gemeinderat den 27-Jährigen nach seiner professionellen Präsentation mit 46 von 58 Stimmen zum Nachfolger von Marco-Oliver Luz gewählt. Wann er sein "Heimspiel" im örtlichen Bezirksrathaus aufnimmt, steht derzeit noch nicht fest. Wir haben mit dem zukünftigen Degerlocher Bezirksvorsteher gesprochen.
degerloch.info: Hallo Herr Heinze, wir fallen gleich mal mit der Tür ins Haus. Warum haben Sie sich für den Job als Bezirksvorsteher von Degerloch beworben?
Heinze: Degerloch ist meine Heimat - die Menschen, aber auch die ganze Umgebung prägen seit 27 Jahren mein Leben und liegen mir am Herzen. Aus dieser Identifikation ergibt sich für mich auch eine hohe Motivation. Ich habe richtig Lust, die Herausforderungen anzugehen. Durch das passende Studium Public Management und vielseitige Erfahrungen bei der Stadt Stuttgart weiß ich was auf mich zukommt, die Arbeit an der Schnittstelle von Politik und Verwaltung ist genau mein Ding. Zusätzlich habe ich in den vergangenen Monaten Zuspruch von vielen Seiten bekommen, mich zu bewerben. Weil ich der Meinung bin, dass Degerloch eine stabile Kontinuität im Rathaus dringend nötig hat, aber auch eine neue Dynamik vertragen kann, habe ich meinen Hut in den Ring geworfen.
degerloch.info: Sie sind seit über drei Jahren stellvertretender Bezirksvorsteher von Vaihingen. Ihre Zeit als Nummer zwei geht demnächst zu Ende ...
Heinze: Die Arbeit in Vaihingen bereitet mir große Freude! Von Anfang an durfte ich Personalverantwortung übernehmen und eigenständig Projekte koordinieren - wie die Leitung des Vaihinger Stadtfests, des Jugendrats oder das Management des Bezirksbudgets. Über längere Abwesenheitszeiträume des Bezirksvorstehers konnte ich auch viele Erfahrungen in der ersten Reihe sammeln, wie die Leitung von Bezirksbeiratssitzungen oder zahllose repräsentative Termine. Vor allem habe ich gemerkt, wie gut es mir gefällt, mit den Menschen vor Ort Projekte voranzutreiben. Die Stelle in Degerloch ist für mich nun aber eine einmalige Chance zum richtigen Zeitpunkt - ich bin bereit für den nächsten Schritt.
degerloch.info: Wo liegen für Sie die Stärken, aber auch die Probleme von Degerloch?
Heinze: Die Stärken liegen auf der Hand! Nicht umsonst hat Degerloch in der letzten Stuttgarter Bürgerumfrage die höchsten Werte aller Bezirke bei der Einwohnerzufriedenheit erreicht. Von der sehr lebendigen und attraktiven Bezirksmitte, die wir den vielen Gewerbetreibenden zu verdanken haben, der besonderen Lage zwischen Urbanität und Natur bis zum aktiven Gemeinwesen mit dem enormen zivilgesellschaftlichen Engagement. Diese Stärken müssen aber auch gesichert werden, wenn es beispielsweise um Leerstände in Ladengeschäften oder große Nachwuchssorgen bei den Vereinen geht - Gemeinschaft und Zusammenhalt müssen gefördert werden! Die größte Herausforderung ist sicherlich das Dauerthema Verkehr. Zusätzlich ist für mich vollkommen klar, dass ein dauerhaft geschlossenes Bürgerbüro kein Gewohnheitszustand in Degerloch sein darf, insbesondere auch mit Hinblick auf die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger.
degerloch.info: Nachdem Sie mit überzeugender Mehrheit gewählt wurden - welche Veränderungen kommen auf Degerloch zu?
Heinze: Sowohl Brigitte Kunath-Scheffold als Marco-Oliver Luz haben mit dem Team im Bezirksrathaus einen super Job gemacht, man kann also auf einer guten Basis aufbauen. Ich möchte schnell die beiden großen Projekte des Bezirks anpacken: Einerseits die Umsetzung des Verkehrskonzepts, das schon zu lange in der Schublade der Verwaltung liegt, obwohl vom Bezirksbeirat und den weiterführenden Gremien mit großen Mehrheiten beschlossen. Dabei ist das große Ziel natürlich eine Epplestraße als Shared Space, die zum flanieren einlädt. Andererseits die neue Mitte rund um den Agnes-Kneher-Platz. Viele Organisationen brauchen dringend Räumlichkeiten im neuen Bürgerhaus, und die Umgebung muss belebt werden. Bei beiden Themen will ich mit der Verwaltung zuverlässige Zeitpläne entwickeln und Projektfortschritte antreiben. Ich möchte aber auch eigene Akzente setzen: Es gilt das Jugendratsgremium vor Ort fest zu etablieren, ein digitalisiertes Bezirksrathaus muss endlich Realität sein, eine neue attraktive Kulturreihe könnte geschaffen werden. Ansonsten ist es mir wichtig, direkt mit allen Akteuren in einen kontinuierlichen Austausch zu kommen, um Synergien zu bilden und Probleme zu lösen. Als Ansprechpartner für alle Degerlocherinnen und Degerlocher.
degerloch.info: Sie haben ein Parteibuch. Ein Widerspruch zur neutralen Tätigkeit als Bezirksvorsteher?
Heinze: Ich bin Mitglied der SPD, was ich auch nicht verheimliche. Das bildet für mich ein Wertefundament, hat aber keine Auswirkungen auf meine berufliche Tätigkeit, ich war nie der große Parteisoldat. Seit meinem frühesten Engagement ist es für mich zentral, diese Bereiche zu trennen und handhabe das beispielsweise im Ehrenamt auch so. In Vaihingen arbeite ich mit Kai Jehle-Mungenast als Bezirksvorsteher mit CDU-Parteibuch und den Bezirksbeiräten aller Fraktionen sehr vertraut und kooperativ zusammen. Weil auf kommunaler Ebene die parteiübergreifende Zusammenarbeit und die pragmatische Suche nach den besten Lösungen klar im Vordergrund steht, macht mir es auch so viel Spaß. Für eine neutrale und ausgleichende Moderation der Prozesse stehe ich in jedem Fall ein.
degerloch.info: Sie sind noch recht jung. Wie lange kann unser Stadtbezirk mit Ihnen als Bezirksvorsteher rechnen?
Heinze: Die Herausforderungen in Degerloch sind kein Sprint, sondern ein Marathon. Insbesondere bei Plänen wie der neuen Degerlocher Mitte steht für mich an erster Stelle, dass Vorhaben auch baulich fertiggestellt und greifbar werden. Ich möchte mit den Akteuren an einem Konzept für den Bezirk in zehn Jahren arbeiten. Schon allein aufgrund meiner Verbundenheit mit Degerloch, an der ich mich auch selbst messe, möchte ich diesen Marathon auf mich nehmen. Das Erreichen der Meilensteine ist für mich sowohl Selbstanspruch als auch ein Versprechen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Da ist es unmöglich auf halber Strecke abzubrechen.
degerloch.info: Letzte Frage - wie verläuft Ihr erster Arbeitstag in Degerloch?
Heinze: Das Rückgrat und Herzstück des Bezirksrathauses sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was sich insbesondere auch in der Vakanz der letzten Monate gezeigt hat. Dementsprechend würde ich als erstes mit dem Team ins Gespräch kommen und mir einen Überblick verschaffen. Dabei hat für mich eine offene Tür und ein offenes Ohr höchste Priorität. Ansonsten wird der Tag auch sicherlich noch nicht um 18 Uhr zu Ende sein, ich bin bereit, viel Zeit und Energie in die Aufgabe zu investieren. Red
Colyn Heinze - beruflicher Weg:
2014:
Abitur Wilhelms-Gymnasium Degerloch
2014 - 2015:
Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Jugendbeteiligung bei der Stadt Stuttgart
2015 - 2019:
Duales Studium Bachelor of Public Management, Bachelorarbeit über die Funktion von Bezirksbeiräten
2019 - 2020:
Tätigkeit im Amt für Stadtplanung und Wohnen
Seit 2020:
Stellvertretender Bezirksvorsteher von Vaihingen
Colyn Heinze - Ehrenamt:
2015 - 2023:
Engagement in verschiedenen Organisationen, unter anderem langjähriger Betreuer im
Waldheim Degerloch und Vorstand im Club Kollektiv Stuttgart

