EXTRA - ARCHIV
Auf die Zukunft von Wein und Verein
von stephan hutt
Vieles ist bekannt über die Degerlocher Wengerter und ihr Weinbaugebiet im Scharrenberg am Haigst. Zum Beispiel, dass sie in dieser steilen Landschaft mit herrlichem Ausblick auf Stuttgart-Süd die kleinste Reblage in Württemberg bewirtschaften. Und dass auf einer Fläche von 3,5 Hektar heute neben Trollinger auch Merlot, Lemberger, Sauvignon Blanc, Syrah und noch einige andere Sorten angebaut werden. "Wir können uns zeigen mit unseren Weinen", sagt Thomas Hund (Bild li.). Und damit sind wir bei dem, was vielleicht noch nicht so bekannt ist rund um die "Vereinigung der Weingärtner und Freunde des Schimmelhüttenweges Degerloch".
Seit Anfang Juni ist Hund (53) als 1. Vorsitzender der Degerlocher Wengerter im Stuttgarter Vereinsregister aufgeführt. Der örtliche Jurist agierte aber bereits ab dem Jahr 2007 in der zweiten Reihe als Stellvertreter des 1. Vorsitzenden Thomas Wolfrum, dem Schwiegersohn der Vereinsikone Heinz Knobloch (†). "Von beiden hab ich sehr viel gelernt", betont der 53-jährige Familienvater, der einen Weinberg mit einer Fläche von fünf Ar gepachtet hat und seinen Trollinger und Merlot für den Eigenbedarf anbaut. Nachdem Thomas Hund in die erste Reihe der örtlichen Wengerter gewählt wurde, brauchte der Verein logischerweise einen neuen Stellvertreter.
Mit Frank Nonnenmann (Bild re.) wurde ein umtriebiger Wirtschaftsingenieur gewonnen, der bereits einige berufliche Auslandsaufenthalte hinter sich hatte, als er in Degerloch heimisch wurde. China, England, USA hießen die Stationen, bevor sich der 55-Jährige im Jahr 2014 am Haigst am Rande des Scharrenberg niederließ und sechs Jahre später einen Weinberg von Ex-Besenwirt Eberhard Gauder erwarb. "Ich war schon immer weinbegeistert und möchte einen Beitrag leisten, die Tradition im Scharrenberg zu bewahren", sagt Nonnenmann, der auf einer Fläche von 34 Ar Trollinger anbaut und unter der Marke “Wein vom Haigst” vertreibt. Mit Hilfe von "Coach" Axel Gohl ist das laut eigenen Aussagen "auch sehr gut gelungen".
Das neue Vorstandsduo hat sich natürlich reichlich Gedanken gemacht über Aufgaben, Ziele und Visionen für die Zukunft. Im Vordergrund steht der Erhalt der kleinen Reblage am Haigst sowie der Schimmelhüttenhocketse, einer Traditionsveranstaltung, die über die Grenzen von Degerloch hinaus bekannt ist. Gewisse Veränderungen waren bereits sichtbar bei der diesjährigen Veranstaltung. Auch die Wandernde Weinprobe der örtlichen Wengerter hat sich einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erarbeitet, was sicherlich mit dem teils jüngeren Publikum zusammenhängt, das aus allen Windrichtungen in den Scharrenberg strömt.
Jüngere Mitglieder für die "Vereinigung der Weingärtner und Freunde des Schimmelhüttenweges Degerloch" zu gewinnen, ist sicherlich ein Thema für den neuen Vorstand, aber primär geht es darum, den vereinsinternen Zusammenhalt zu stärken. Große Sorge bereiten Hund und Nonnenmann sowie einigen Wengertern, wie und ob es mit dem familiären Nachwuchs weitergeht, denn man darf nicht davon ausgehen, dass sich dieser automatisch auf die Spuren der Eltern begibt. Dass sich die Vorstände deshalb mit Zukunftsmodellen wie zum Beispiel dem möglichen Angebot von Weinberg-Patenschaften Gedanken machen, ist absolut verständlich.
"Um die Zukunft zu gestalten und die Tradition in unserem Weinbaugebiet zu erhalten, wollen wir uns in der Spitze breiter aufstellen", sagt Thomas Hund. "Das Bestehende hegen und pflegen, aber auch offener werden, neue Impulse setzen und uns mehr in Degerloch einbringen", sind für Frank Nonnenmann wichtige und zukunftsweisende Aspekte. Man sieht schon, mit den beiden Neuen an der Spitze der Degerlocher Wengerter braucht man sich keine großen Sorgen zu machen. Auf die Zukunft von Wein und Verein!
Weitere Infos:
www.schimmelhuettenweg.de
Nächstes Event:
Wandernde Weinprobe
Sonntag, 10.9. - 11 Uhr
Scharrenberg am Haigst

