Ortsgespräch

von Felix Reiser

Nahe an den Mietern dran

Die Flüwo gehört inzwischen zu den ältesten und größten Unternehmen im Stadtbezirk. Aufgrund des geplanten Neubauprojektes in Degerloch-West haben wir uns mit Vorstand Rainer Böttcher (Bild) unterhalten.

DJ: Herr Böttcher, was bedeutet eigentlich der Name Flüwo?

Böttcher: Die Flüwo wurde im Jahr 1948 als „Gemeinnützige Flüchtlings-Wohnungsbaugenossenschaft Stuttgart eGmbH“ gegründet. Aufgrund der großen Wohnungsnot nach dem zweiten Weltkrieg sollten für Flüchtlinge und Kriegsvertriebene Wohnungen für eine neue Heimat gebaut werden.

DJ: Das Thema Flüchtlinge ist ja seit dem Jahr 2015 in aller Munde. Inwiefern ist die Flüwo davon betroffen?

Böttcher: Wir sehen die Unterbringung und Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, fühlen uns jedoch aufgrund unserer Geschichte in besonderem Maße verpflichtet, bei der würdigen Unterbringung der Flüchtlinge zu helfen. In Göppingen-Bodenfeld haben wir den Abriss von 56 Wohnungen und den Baubeginn für die Ersatzwohnungen verschoben, um dort eine vorübergehende Unterbringung der Menschen zu ermöglichen.

DJ: Erklären Sie uns doch bitte mal den Unterschied Ihres Unternehmens zu anderen gewerblichen Wohnungsanbietern.

Böttcher: Das Genossenschaftliche Woh-nen wird neben Wohnen in Miete oder Wohnen im Eigentum oft als dritte Wohnform bezeichnet. Im Grunde ist es eine Mischform aus Eigentum und Miete, denn jeder der bei der Flüwo eine Wohnung anmietet, muss Mitglied in unserer Genossenschaft werden. In diesem Zusammenhang müssen Anteile an der Genossenschaft erworben werden. Dadurch wird jedes Mitglied „Mitgesellschafter und Miteigentümer“ bei der Flüwo.

DJ: Und worin liegen die Vor- oder Nachteile einer Wohnbaugenossenschaft gegenüber anderen Rechtsformen?

Böttcher: Wir glauben, dass wir durch unseren Service sehr nahe an unseren Mitgliedern dran sind. So haben wir ein Team, das sich um das Sozialmanagement der Flüwo kümmert. Als eines der ersten Wohnungsunternehmen überhaupt haben wir ein Mieterportal eingeführt, über das 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche mit uns kommuniziert werden kann. De facto ist zudem das Risiko, die Wohnung durch Kündigung zu verlieren, sehr gering.

DJ: Ihre Mieter sind Mitglieder, aber auch Gesellschafter der Flüwo. Welche Rechte können sie dadurch in Anspruch nehmen?

Böttcher: Die Mitgliedschaft berechtigt zur Teilhabe am Unternehmenserfolg in Form einer Dividende. Diese beträgt zurzeit vier Prozent und liegt damit deutlich über den Zinsen für Sparguthaben. Außerdem besteht für jedes Mitglied die Möglichkeit, sich in die Gremien der Flüwo einzubringen.

DJ: Sie planen in Degerloch-West nach dem Alb Carré ein zweites Neubauprojekt. Was sind die Gründe für diese Investition?

Böttcher: Viele unserer Wohngebäude sind inzwischen in die Jahre gekommen. Hellhörige Wohnungen mit schlechten Grundrissen, ein hoher Energieverbrauch aufgrund fehlender Wärmedämmung und ein negatives Erscheinungsbild erfordern deshalb, dass wir uns mit der weiteren Nutzung dieser Gebäude auseinandersetzen. Zudem wünscht sich die immer größer werdende Anzahl von Senioren unter unseren Mietern barrierefreie Wohnungen und ein entsprechendes Umfeld. Um diesen veränderten Bedürfnissen gerecht zu werden, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Wir können die Gebäude sanieren oder sie abreißen und neu bauen. Die Entscheidung hängt auch davon ab, wie hoch die Kosten einer Sanierung sind. In dem Dreieck, Albstraße, Straifstraße, Gohlstraße sind wir deshalb zu der Überzeugung gekommen, dass ein Neubau die bessere Alternative darstellt.

DJ: Können Sie uns heute schon etwas über die weiteren Planungsschritte sagen?

Böttcher: Der nächste Schritt ist die Durchführung eines Architektenwettbewerbs mit fünf Architekturbüros. Der Siegerentwurf wird dann voraussichtlich im April 2018 feststehen. Anschließend werden die weiteren Planungen, das Bebauungsplanverfahren und das Baugesuch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, so dass wir heute mit einem Baubeginn Ende des Jahres 2022 oder Anfang 2023 rechnen.

DJ: Betroffen sind von dem Projekt vor allem die Mieter der drei Gebäude. Welche Unterstützung bietet die Flüwo diesen Mitbürgern, was Umzug und neuen Wohnraum betrifft?

Böttcher: Das sich die betroffenen Mieter Sorgen machen, ist für uns absolut verständlich. Damit die Belastungen für sie möglichst gering gehalten werden, bieten wir an, den Umzug und die Kosten dafür zu übernehmen. Wenn anderen Quartieren Wohnungen frei werden, erhalten die Mieter in der Straifstraße ein bevorzugtes Angebot. Sollten unsere Mieter selbst eine Wohnung finden, müssen Sie keine Kündigungsfristen einhalten. In besonderen Fällen finden wir individuelle Lösungen und setzen dabei unser Sozialmanagement ein. Unser Ziel ist es, für jeden einen Weg zu finden, mit dem er oder sie zufrieden ist. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen aus vergleichbaren Bauvorhaben und dem sehr großzügig bemessenen Zeithorizont sind wir überzeugt, dies zu erreichen.

Die Flüwo in Zahlen
Gründungsdatum: 6.8.1948
Anzahl Mitarbeiter: 104
Davon Azubis: 9
Anzahl Wohnungen: 9377
Anzahl Standorte: 23
Anzahl Mitglieder: 10149
Jahresumsatz: 66 Millionen

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