Ortsgespräch

von Felix Reiser

Geschichte braucht ihren Platz

Die Geschichtswerkstatt Degerloch leistet gute und sehr erfolgreiche Arbeit. Eine Räumlichkeit hat sie trotzdem nicht gefunden. Jetzt kommen Möglichkeiten ins Spiel. 

Der gemeinnützige Verein wurde im Oktober 2011 gegründet. Er ging aus dem Arbeitskreis Degerloch 1900 hervor, der sich für den Erhalt des alten Gaswerkes in Degerloch einsetzte. "Neben der Erforschung und Dokumentation der Ortsgeschichte ist die Pflege und Erhaltung des historischen Ortsbildes ein wichtiges Ziel unseres Vereins", sagt Helmut Doka, 1. Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Degerloch.

Dass es für diese Ziele Räumlichkeiten benötigt, versteht sich von selbst. "Wir wissen nicht mal, wo wir das historische Material lagern sollen, das uns zur Verfügung gestellt wird", sagt Albert Raff der dem Vorstand angehört. Jede Menge historischer Stoff von Degerlocher Bühnen und Kellerräumen wartet darauf, von der Geschichtswerkstatt archiviert zu werden. Aber wo? Neidisch schauen Doka und Raff auf andere Stadtbezirke, die über entsprechende Räumlichkeiten verfügen oder ihr Material sogar in Heimatmuseen unterbringen.

Untertürkheim, Hedelfingen, Gablenberg und Weilimdorf verfügen über Ortsmuseen während Möhringen, Plieningen und Bad Cannstatt als Außenstellen des Stuttgarter Stadtmuseums agieren. Die Geschichtswerkstatt Degerloch hat seit ihrer Gründung die Publikationen über "Degerloch - Deine Autoren" und "Die Jagdfeste des Herzogs Carl Eugen im Degerlocher Ramsbachtal von 1763 und 1964" veröffentlicht und das Haigst-Buch unterstützt. Außerdem wurden mehrere Vorträge und Führungen abgehalten und vier Filmabende mit historischen Bildern präsentiert. Bei den öffentlichen Veranstaltungen waren das Interesse und der Besucherandrang oft so groß, dass die Sitzgelegenheiten nicht ausreichten.

Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold weiß um die Raumnot unserer Historiker und hofft auf eine baldige Lösung. "Der Druck wächst, und in der Größenordnung sind wir flexibel", sagt Doka zu den räumlichen Vorstellungen seines Vereins. Das kirchliche Gebäude Große Falterstraße 4 wäre eine Möglichkeit, nachdem die Kirchenpflege und das Waldheimbüro in den Neubau am Agnes-Kneher-Platz umziehen. Ebenso werden die Gebäude Rubensstraße 10, in dem der Frauenkreis Kurse abhält, sowie Große Falterstraße 20, ehemals Gesundheitsamt und Städtische Tageseinrichtung für Kinder, ins Spiel gebracht. Bleibt nur zu hoffen, dass sieben Jahre nach der Vereinsgründung jetzt etwas Dynamik in die Angelegenheit kommt und die Stadt sowie der örtliche Bezirksbeirat ihre Unterstützung signalisieren.

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Kommentar von Albert Raff |

Zu dem Beitrag "Geschichte braucht ihren Platz" - vom 21.5.2018

Es ist tatsächlich ein Trauerspiel, dass die Geschichtswerkstatt Degerloch trotz regelmäßiger Nachfrage bei den zuständigen Stellen bis heute keine Möglichkeit hat, ihr gesammeltes historisches Material zur Degerlocher Geschichte zu lagern, sowie Ausstellungen vorzubereiten und durchzuführen.

Was in anderen Stadtbezirken möglich ist, sollte doch endlich auch in Degerloch gelingen. Vielleicht hilft dieser gelungene Beitrag, dass endlich Bewegung in diese Angelegenheit kommt. Der Vorstand der Geschichtswerkstatt wird auf jeden Fall am Ball bleiben und über den Stand der Dinge an dieser Stelle berichten.

Albert Raff
Vorstandsmitglied
Geschichtswerkstatt Degerloch

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