Ortsgespräch

von Emily Schwarz

Gelungene Integration

Als fünfjähriger Junge kam Amad Bader aus Kabul nach Degerloch. Bei Elektro Reihle erhielt er später die Chance, für eine Ausbildung.

Seit 14 Jahren arbeitet der junge Afghane (Bild re.) jetzt schon in dem Degerlocher Handwerksbetrieb. Es war ein glücklicher Zufall, der beide zusammenbrachte: Über 20 Jahre ist es her, dass Helgard Woltereck, einst Rektorin an der Filderschule, auf Inhaber Rolf Reihle (Bild li.) zuging. Beide waren damals auch Vorstand im gemeinnützigen Verein "Degerloch hilft". Woltereck fragte Reihle, ob er nicht einen Schüler aus Afghanistan für ein Praktikum bei sich im Geschäft aufnehmen könnte. Bader lebte zu dieser Zeit im Kinderhaus in der Jahnstraße. Sein Onkel nahm den fünfjährigen Bub mit, als er Afghanistan verließ. Der Rest der Familie, Amads Eltern und Geschwister, blieben in Kabul zurück.

Zwei Wochen lang bekam Amad Bader die Chance, sich bei Elektro Reihle zu beweisen. "Er war sehr interessiert, praktisch veranlagt und sein Auftreten und sein Verhalten waren immer korrekt", erinnert sich sein Chef. Also bot Reihle dem Jungen, nachdem er ein Jahr lang die gewerbliche Berufsfachschule besucht hatte, einen Ausbildungsplatz an. Nach zweieinhalb Jahren konnte er die Gesellenprüfung als Elektroinstallateur ablegen. Damit erhielt er auch eine unbefristete Arbeitserlaubnis für Deutschland.

Elektro Reihle unterstützte den jungen Mann nicht nur in Bezug auf seine Arbeit, sondern beispielsweise auch bei der Mitfinanzierung des Führerscheins. Nach 15-jähriger Mitarbeit in dem örtlichen Betrieb ist eine besondere Freundschaft zwischen dem heute 81-jährigen Chef und seinem Zögling entstanden. Trotzdem war es auch für Reihle eine ganz neue Erfahrung, obwohl in seinem Geschäft schon Menschen aus Italien, Jugoslawien und Griechenland gearbeitet haben. "Afghanen sind aber keine Europäer, da sind die Kulturunterschiede größer", sagt der Firmen-Chef.

Bei Amad Bader, inzwischen 34 Jahre alt, ist die Integration gelungen. Er lebt mit seiner Frau auf den Fildern, und alle zwei Jahre besucht er für ein paar Wochen seine Familie in Kabul. Zurück in die neue Heimat kommt er aber immer wieder gerne.

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