Ortsgespräch

von Felix Reiser

Frühere Weinlese

Die Hitzewelle ist in aller Munde. Wir haben Degerlocher Wengerter gefragt, wie Sie die Situation für ihre Rebstöcke im Scharrenberg am Haigst sehen. 

Die derzeitigen Temperaturen beschäftigen Menschen und Medien. Bei den Auswirkungen der Hitzewelle geht es meistens um Themen wie Landwirtschaft, Waldbrände, Fischsterben durch Sauerstoffmängel in Seen und Flüssen und die Gesundheit älterer Leute. Vom Weinbau ist dagegen seltener die Rede, demnach scheint das Problem nicht so groß zu sein. "Reben sind ja wärmeliebende Pflanzen", sagen manche Experten, andere betonen aber "den entstehenden Wassermangel".

Beim Weinbauverband Württemberg will man noch keine Schätzungen zur diesjährigen Weinlese abgeben, man betont aber, "wenn es weiter so trocken bleibt, wird auch der Ertrag sinken.“ Wir haben bei Degerlocher Wengertern nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen.

Thomas Wolfrum, Weingut Knobloch-Wolfrum - Große Falterstraße,
und Vorsitzender der Degerlocher Wengerter:
"Da die Rebstöcke ziemlich tief wurzeln, bedeutet die aktuelle Hitze und Trockenheit für die Reben relativ weniger Probleme als für die Landwirtschaft mit Getreide- oder Gemüseanbau. Aber natürlich leiden die Reben auch unter der extremen Hitze und dem Wassermangel. Insbesondere junge Anlagen, deren Rebstöcke noch keine so tiefen Wurzeln angelegt haben, müssen gegossen werden, damit sie nicht verenden. Wenn die Trockenheit weiter anhält, sind auch bei den älteren Anlagen Trockenschäden zu befürchten, das heißt, die Blätter vertrocknen. Damit fehlt die Assimilationsfläche für die Trauben, was dazu führt, dass sie nicht richtig reif werden. Auf jeden Fall ist eine frühe Lese zu erwarten, über die Qualität lässt sich noch nichts sagen."

Elsbeth Koch, Wirtin "Besenwirtschaft Gohl" - Epplestraße:
"Persönlich haben wir im Weinberg bis jetzt noch keine Probleme mit der Hitzewelle und dem diesjährigen Klima. Im Gegenteil. Wir erwarten allgemein höhere Mostgewichte was für unseren Merlot und Cabernet Sauvignon gut ist. Unsere Reben zeigen bis jetzt auf Grund ihrer tiefen Wurzeln kaum Wasserstress. Natürlich wären zwei bis drei Tage richtiger Landregen gut und danach dann wieder Sonnenschein. Aufgrund der vorgenommenen Entblätterung können die Beeren durch zu viel Sonne gelegentlich Spuren von Sonnenbrand zeigen. Wenn man das vorher gewusst hätte, dass es dieses Jahr so kommt, hätten wir natürlich nicht so viel Blätter weggemacht. Bei Temperaturen über 30 Grad wird jedoch der Pilz Perenospora regelmäßig abgetötet, und wir haben deshalb dieses Jahr nur Mittel zur Pflanzenstärkung eingesetzt und nicht mit einem Fungizid gegen den Pilz spritzen müssen. Die einzige Sorge die ich noch habe ist, dass uns die asiatische Kirschessigfliege kurz vor der Weinlese die Arbeit des ganzen Jahres beeinträchtigt."

Eberhard Gohl, Wirt "Der Besen" - Leinfeldenerstraße:
"Natürlich warten wir auf Regen. Unsere Rebstöcke haben aber keine Probleme mit der Hitzewelle, mit Ausnahme der Trollinger-Trauben. Hier müssen wir zum Teil Sonnenbrand feststellen. Andererseits muss man aber sagen, dass die Hitzewelle auch Vorteile hat. So macht uns zum Beispiel die Kirschessigfliege keine Probleme. Mit der Weinlese werden wir dieses Jahr Anfang September beginnen, also etwas früher als bisher."

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