Ortsgespräch

von Guido Dobbratz

Mannschaft mit neuem Gesicht

Als Präsident führt Rainer Lorz die Geschicke der Stuttgarter Kickers seit 2010. Mehr Tiefen als Höhen hat er dabei erlebt. Guido Dobbratz hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Lorz, wie viel Spaß macht Ihnen eigentlich der Job bei den Kickers noch, nachdem die Blauen aus der 3. Liga abgestiegen sind und jetzt erst zum Schluss den Klassenerhalt in der Regionalliga schafften?
Der Spaßfaktor ist in den vergangenen 18 Monaten ausgeblieben, aber es sind für unseren Verein herausfordernde Zeiten. Zumindest der Zusammenhalt im Aufsichtsrat und Präsidium gibt mir aber die Power weiterzumachen. Und vielleicht kehrt auch bald der Spaß zurück.

Anfang der Saison wurde fast die gesamte Mannschaft ausgewechselt und kaum eine Korsettstange gehalten. War dieser Umbruch nicht zu radikal?
Vielleicht hätten wir versuchen sollen, den einen oder anderen Spieler an Bord zu halten. Aber uns waren auch die Hände gebunden, denn viele Spieler hatten nur Verträge für die 3. Liga und wir mussten unseren Etat erheblich herunterfahren. Da gab es einfach nicht die Möglichkeit, abwanderungswillige Spieler weiter an uns zu binden.

Die Klasse wurde gehalten, im Pokal aber gegen Dorfmerkingen (7. Liga!) verloren. Wie tief sitzt da bei Ihnen der Stachel?
Sicher ganz tief. Das war einfach eine katastrophale und blamable Leistung und wir müssen jetzt auch aus finanziellen Gründen einen noch größeren Schnitt vornehmen. Das versöhnliche Ende blieb damit auch für unsere Fans aus und wir müssen nun neu überlegen, welche Spieler passen wirklich zu den Kickers.

Auch auf der Trainerseite hatten Sie zuletzt wenig Fortune und erst mit dem jungen Trainer Kaczmarek wurde es etwas besser. Was schätzen Sie an ihm?
Er identifiziert sich mit dem Projekt Kickers, ist akribisch und klar in der Ansage. Er hat die Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen, als die total verunsichert war. Zudem schätzt er die Regionalliga realistisch ein und hat einen guten Überblick über die Spieler.

Sie haben die U23 abgemeldet. War das notwendig und schadet das nicht der sportlichen Entwicklung?
Es war eine Frage der Abwägung bei unseren auch finanziell beschränkten Mitteln. Die ganze Regionalliga ist ja in einer schwierigen Situation und da mussten wir auch zur Forcierung unserer eigenen Jugend neue Prioritäten setzen.

Bei der Jugend mussten nur die A-Junioren aus der Bundesliga absteigen. Die U17 aber hielt sich und die U15 belegte einen vorzüglichen sechsten Platz. Wie zufrieden sind Sie da mit der Entwicklung?
Da bin ich sehr zufrieden, wenn ich unseren Etat mit dem anderer Vereine vergleiche. Toll, was die U17 und die U15 geleistet haben. Und bei den A-Junioren bin ich zuversichtlich, dass wir mit dem neuen Trainer Paco Vaz wieder aufsteigen. Wir müssen aber insgesamt nicht nur nach dem Klassenerhalt schauen, sondern vor allem die Spieler weiterentwickeln.

Wie zuversichtlich sind Sie nun, dass Sie für die neue Saison eine schlagkräftige und bessere Mannschaft zusammenstellen können?
Da bin ich schon zuversichtlich, aber die Mannschaft muss ein anderes Gesicht bekommen hinsichtlich Mentalität und Qualität. Entscheidend wird auch das Durchsetzungsvermögen sein, denn es wird wieder eine knüppelharte Saison mit den bisherigen Top-Vereinen und den zweiten Mannschaften von Hoffenheim, dem VfB Stuttgart und Freiburg. Da gilt es eine schlagkräftige Mannschaft zu formen, die auch unsere Fans begeistern kann.

In der Vorbereitung gibt es am Sonntag, den 9. Juli um 17 Uhr im Gazi-Stadion das Stadtderby mit dem VfB. Was versprechen Sie sich davon?
Das ist für uns einfach eine tolle Sache, sich mit den Aufstiegshelden vom VfB zu messen. Für die Zuschauer insgesamt dürfte dieser Start in die neue Saison ein reizvolles Spiel werden.

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