Ortsgespräch

von Felix Reiser

Dosen-Faszination

Manfred Werner sammelt Getränkedosen und fertigt daraus Flugzeuge. Viele Degerlocher erfreuen sich an seinen hausgemachten Exemplaren. 

Melbourne, Florida, 1988 - hier fing alles an. Manfred Werner besuchte mit seiner Frau Lilly die Staaten und erspähte auf einem Flohmarkt ein aus Dosen zusammengebasteltes Flugobjekt, das einem Flugzeug ähnelte. "Es war etwas primitiv gefertigt und kostete 25 Dollar", sagt der handwerklich versierte Hoffelder und erwähnt, dass "er die Idee dann gestohlen hat und gleich anfing zu basteln." Knitzer Schwabe!

Inzwischen hat der ehemalige Feinblechner zahlreiche Dosen im Urlaub, aber auch in Degerloch rund um das Gazi-Stadion gesammelt und zu optisch ansprechenden Flugzeugen mit Rädern, Flügeln und Propellern verarbeitet. Kaum ein Platz in seiner Wohnung nahe dem Ramsbachtal, wo nicht so ein Exemplar der Marken Red Bull, Guinness, Dinkelacker, Coca Cola, VfB Schwabenpower, Tequila oder Heineken herumsteht und auf den Abflug wartet.

Würde Manfred Werner die Exemplare auf dem Wohnzimmerschrank, am Hometrainer, auf dem Balkontisch oder jene im Flur verkaufen, käme ganz schön Geld in die Kasse. Aber Dosen zu einem ganz besonderen Flugobjekt auf einem Versperbrettl ("meine Werkbank") zu verarbeiten mit Teppichmesser, Schieblehre, Säge, Durchstecher, Zange, Schablone und Sekundenkleber ist eben sein Hobby. Nix Kohle, die Dinger werden verschenkt. Das gesamte Mitarbeiter-Team der örtlichen Orthopädie-Praxis von Dr. Jochen Fromm ist genauso im Besitz eines Flugzeuges à la Manfred Werner wie die Mitarbeiter des Fernsehturms und viele Degerlocher Privatpersonen.

Eigentlich gehört auch ein ganz Prominenter zu den Gratis-Kunden von Werner. Red Bull verleihte einst Sebastian Vettel derart große Flügel, dass er seinen Formel 1-Konkurrenten reihenweise davonfuhr und vier Weltmeistertitel einheimste. Vermutlich vor lauter feiern vergaß der schnelle Hesse sich für das Red Bull-Modell zu bedanken, das ihm der Flugzeug-Konstrukteur aus dem Hoffeld geschickt hatte. Schade, aber den Enthusiasmus des 81-Jährigen hat das nicht gebremst. Warum auch, Manfred Werner wirkt mindestens zehn Jahre jünger - und wird hoffentlich noch lange auf seinem Vesperbrettl herumbasteln. "Soll er nur machen, dann hab ich meine Ruh und setz mich an meine Nähmaschine", sagt Ehefrau Lilly - und geht an "ihre Werkbank".

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Einen Kommentar schreiben

^