Ortsgespräch

von Stefanie Bernhardt

Die tapfere Schneiderin

Weil mit 60 Jahren die Rente nicht ausreichte, machte sich Inge Kues mit einer Änderungsschneiderei in Degerloch selbstständig. Nach 25 Jahren fällt ihr der Gedanke schwer, einmal aufzuhören. 

Etwas unscheinbar gelegen, am Steilhang der Karl-Pfaff-Straße zwischen der "Taverna da Pagano" und dem Blumengeschäft Beilharz betreibt Inge Kues ihr "Nähstüble". Hier führt sie Änderungen aller Art durch. Trotz ihres hohen Alters denkt die 86-Jährige nicht daran, ihren Laden aufzugeben, auch wenn ihr die abnehmende Kundenzahl in letzter Zeit ein bisschen Sorgen macht. "Anfangen ist leichter als aufhören", sagt sie nüchtern.

Zu Anfangszeiten lief der Laden sehr gut, die Chefin musste sogar Lehrlinge einstellen. "Man durfte nur einen bestimmten Betrag zur Rente dazuverdienen. Da habe ich dann gerne einen Lehrling angestellt, die hatten es auch nicht einfach zu der Zeit", berichtet sie. Drei Auszubildende hatte die Degerlocherin über die Jahre, was aber schon eine Weile her ist. Dadurch sammelten sich Nähmaschinen aus verschiedenen Generationen an, die alle noch im Laden stehen und regelmäßig genutzt werden.

Geschneidert hat Inge Kues, die in Österreich aufgewachsen ist, bereits vor dem Eintritt ins Rentenalter. Damals war sie in verschiedenen Stuttgarter Schneidereien tätig. Da lag ein eigenes "Nähstüble" nahe, als die knappe Rente nicht ausreichte. Die Frage, ob es ihr nicht manchmal zu viel sei, verneint sie: "Ich bin es einfach gewohnt viel zu arbeiten."

Auch wenn manches heute langsamer geht, sind ihre Kunden nach wie vor beeindruckt von ihrer Arbeit und der hohen Flexibilität. "Es war noch niemand unzufrieden. Früher habe ich auch mal einen Anzug genäht", berichtet die Schneiderin von der Karl-Pfaff-Straße und meint weiter: "Heute mache ich lieber Änderungen." Aufgrund stärker werdender Probleme mit den Augen, fallen ihr diese Arbeiten leichter. Eine Bluse oder einen Rock traut sie sich aber immer noch zu. Für den Sommer hofft Inge Kues, dass wieder mehr Kunden den Weg in die Karl-Pfaff-Straße finden: "Ich möchte noch nicht aufhören", stellt die selbstständige Rentnerin klar.

Info - Nähstüble:
Karl-Pfaff-Straße 61
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr
Kontakt: Telefon 762296

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