Ortsgespräch

von Felix Reiser

Die heimliche Meisterin

Obwohl Peter Mader drei Söhne hat, übernahm Tochter Verena Golderer Anfang September die Geschäftsführung des Degerlocher Betriebes für Elektro­installationen.

Manchmal kommt es eben anders, als man vermuten könnte. Am 25. April 1980 bekam Peter Mader seinen Meisterbrief als Elektroinstallateur ausgehändigt. Mit der Urkunde in der Hand erfolgt auch abrupt der Sprung des Degerlochers in die Selbstständigkeit. Zu jenem Zeitpunkt hatte sein Sohn Dennis bereits das Licht der Welt erblickt, es folgte weiterer männlicher Nachwuchs – aber die Geschäftsführung seiner Firma übernahm kürzlich Tochter Verena. Sie absolvierte ihre dreieinhalbjährige Ausbildung zur Elektrotechnikerin nicht im väterlichen Betrieb, sondern bei der Firma Locher im Stuttgarter Westen.

„Ich war früher öfters bei Papa dabei und wusste somit, dass ich gerne etwas Handwerkliches machen wollte“, sagt die 32-Jährige, die nach der Ausbildung noch nicht den Weg in Vaters Betrieb fand. „Die Zeit war noch nicht reif, außerdem wollte ich noch was Neues probieren“, blickt sie auf die Anfangszeiten zurück, als sie 2012 ihre Tätigkeit als Luftsicherheitsassistentin am Stuttgarter Flughafen aufnahm. Zwei Jahre später begannen heimliche Aktivitäten, die zwischen dem Vereinslokal des SV Hoffeld, wo Peter Mader lange im Vorstand tätig war, bis zu seinem Betrieb in Degerloch fast jeder wusste - nur er nicht.

Dass von 2014 bis Mai 2017 alle dichtgehalten haben, dass Tochter Verena heimlich für ihren Meisterkurs büffelte, um eines Tages mit Verzögerung in den Betrieb ihres Vaters einzusteigen, spricht für außergewöhnliche Diskretion. „Ich habe mich sehr gefreut, als sie mich mit ihrem Meisterbrief überraschte und war den Tränen nahe“, blickt Mader auf den Tag zurück, als ihm seine Tochter „den Brief vor den Latz knallte“ und seine Firmen-Nachfolge geklärt war. Der Gründer wird sich etwas zurückziehen und verstärkt seinen acht Gitarren widmen.

Dass seine Tochter während ihrer Tätigkeit am Flughafen Außergewöhnliches auf sich nahm, um die Meisterprüfung zu absolvieren, spricht für Zielstrebigkeit und Belastbarkeit. Beides gute Voraussetzungen für die zukünftige Geschäftsführung von Mader Elektroinstallationen. „Ich musste dafür auf sehr viel Freizeit und Urlaub verzichten und einen fünfstelligen Betrag investieren, blicke aber trotzdem noch mit etwas Wehmut auf meinen Job am Flughafen zurück“, sagt die neue Chefin im Handwerksbetrieb Mader, die sich jetzt um Kundenbetreuung, Personal, Buchhaltung und handwerkliche Arbeiten kümmern muss, statt Fluggästen die Taschen zu durchstöbern. Dass sie diese Position im Betrieb ihres Vaters eingenommen hat und nicht einer ihrer Brüder, die Elektroingenieur, Koch und Bierbrauer geworden sind – das ist das Besondere an der Degerlocher Familie.

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