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von Stephan Hutt

Der Maultaschen-Mann

Über eine halbe Million Maultaschen hat der ehemalige Degerlocher Gastronom Werner Epple in seiner beruflichen Karriere bereits hergestellt. Und die Nachfrage ist nach wie vor groß.
Werner Epple bei der Maultaschenproduktion

Den Herrgott bescheißen, das konnten Geistliche schon immer. Auch wenn es ums Essen ging. Eine Legende besagt, dass Mönche des Klosters Maulbronn in der Fastenzeit Teigtaschen erfunden haben, um darin eine Fleischfüllung zu verstecken. Wenn diese Legende stimmt, war das die Geburt der Maultasche - im Volksmund auch Herrgottsbscheißerle genannt.


Wie bei vielen anderen Gerichten gibt es natürlich unterschiedliche Rezepte für die Herstellung der schwäbischen Spezialität. "Auf die Mischung kommt es an", sagt Werner Epple, wenn man ihn nach dem Erfolgsrezept seiner Maultaschen fragt. Der ehemalige Wirt der Vereinsheime SV Hoffeld und TSV 07 Stuttgart sowie der Lokale "Schurwald" in Gaisburg und "Gasthaus zum Hirsch" in Degerloch hat in seinem Leben bereits über eine halbe Million Maultaschen produziert. Allerdings nicht nur für die Gäste seiner Lokale. "Wir waren die Ersten, die frische Maultaschen auch über die Theke zum Mitnehmen verkauft haben", erwähnt Epple beiläufig.

Details seines selbst entwickelten Rezeptes gibt der gelernte Metzger, der früher bei der Degerlocher Metzgerei Kussmaul hinter der Ladentheke stand, nicht preis. "Es ist aber auch kein Geheimnis, dass unsere Maultaschen Hackfleisch, Brät, Spinat, Eier, Brötchen und eine spezielle Gewürzmischung enthalten", sagt Epple, der den Nudelteig allerdings nicht selber herstellt.

Geliefert wird heute nur noch an den privaten Bekanntenkreis. Dazu gehört auch die Wandergruppe im spanischen Denia, wo Epple seinen Zweit-Wohnsitz hat. Vorbei sind die Zeiten, als das deutsche Konsulat in Russland zum Kundenkreis gehörte. Oder als ein Pilot der Lufthansa Epples Maultaschen ohne Zoll-Kontrolle nach Amerika eingeflogen hat. "Auch ein Pflegeheim auf Teneriffa bestellte regelmäßig bei uns für seine Jahresfeier", blickt der 64-Jährige zurück.

Früher stellte Epple in einer professionellen Küche 500 bis 1000 Maultaschen pro Woche her. Seit er im Jahr 2005 in Ruhestand gegangen ist, wird mit Hilfe von Ehefrau Paula in der Küche der Degerlocher Wohnung produziert, gekocht und anschließend vakumiert. "Es macht einfach immer noch großen Spaß", sagt Epple und klappt wieder einen Meter Teig um seine von vielen geliebte Füllung. Einmal Metzger, immer Metzger.

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