Ortsgespräch

von Emily Schwarz

Action in schwindelnder Höhe

Vor 23 Jahren erfüllte sich Alexander Bergers großer Traum: Er durfte zum ersten Mal die Fenster am Fernsehturm putzen.

22 Jahre war Alexander Berg, den alle nur Alex nennen, jung, als er mit dem Fensterputzen anfing. Die Lehre dauerte drei Jahre. Schon seine erste "Baustelle", wie die zu reinigenden Objekte bei den Männern vom Fach heißen, war eine besondere: das Karlsruher Kernkraftwerk. Doch es hatte schon immer diese eine Baustelle gegeben, die Alex faszinierte - den Stuttgarter Fernsehturm. Weil er oft die Fenster der Schulen in der Landeshauptstadt sauber machte, fuhr er immer wieder an seiner Lieblingsbaustelle vorbei. "Ich hab mich immer gefragt: Wer den wohl putzt?", erinnert sich der Badener. Dass er es bald selbst sein sollte, ahnte er da freilich noch nicht.

Eines Tages, es war das Jahr 1995, bekam Alex Berger dann die große Chance, seinen Traum wahrzumachen. Weil der bisherige Fensterputzer die Arbeit am Stuttgarter Wahrzeichen aufgab und der Chef von Alex den Besitzer des ehemaligen Skyline-Restaurants kannte, kam eins zum anderen. "Alex, du darfst auf deine Lieblingsbaustelle", so oder so ähnlich verkündete der ihm die Nachricht. Seitdem sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen. Genauer gesagt 23 Jahre, in denen der 63-Jährige etwa drei Mal im Jahr in einer Gondel baumelt, 465 Quadratmeter Glas putzt und damit für neuen Durchblick sorgt.

Wie lange er die Fenster am Fernsehturm noch putzen wird, weiß er noch nicht so genau. Aber auch am Boden wird es für den gebürtigen Karlsruher nicht langweilig. Er ist nämlich nicht nur in Sachen Fensterputzen tätig, sondern auch als Tatortreiniger. Erst kürzlich hatte er wieder einen Fall. Bakterien, Ungeziefer und Körperflüssigkeiten statt Glasreiniger, Wischer und Sicherheitsgurt. "Beides ist interessant, Fensterputzen und Tatortreinigen. Aber über den zweiten Job darf ich nicht so viel erzählen", sagt Berger - und lacht.

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