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Rückkehr des ungeliebten Bildes

Es ist wieder da - das Degerlocher Herbstfestbild von 1868. Vor der Sanierung des Bezirksrathauses zum "Weißen Haus" ist es den Besuchern beim Gang zu der steilen Treppe ins Auge gestochen. Die Rede ist von der Collage aus Malerei und Fotos, das laut Historiker Gerhard Raff weltweit das älteste Bild ist, das eine so große Zahl an Personen aus einem Ort abbildet. Zu sehen sind etliche Degerlocher, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts geboren wurden.

Hergestellt wurde das Kunstwerk vor etwas über 150 Jahren anlässlich eines gesegneten Degerlocher Weinjahres, was Quantität und Qualität betraf. Für die zahlreichen Bütten mit geraspelten Trauben reichten der Kirchplatz und die Fläche vor der Kelter nicht aus - sie standen bis in die Tübingerstraße, der heutigen Epplestraße. Die Freude über die Ausbeute war so groß, dass die Winzer das machten, was sie heute noch pflegen - sie feierten ein großes Fest. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde der Hoffotograf Brandseph mit der Anfertigung des Bildes beauftragt.

Nach der Sanierung des Bezirksrathauses fand das Herbstfestbild in den Degerlocher Amtsstuben leider keinen Platz mehr, was Gerhard Raff stets monierte. Der Historiker teilte Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold (Bild) mit, dass er ihr Amtsgebäude nicht mehr betreten wird, bis das Bild wieder wie bisher gewürdigt wird. Daraufhin wurde im Ausstellungsbereich des Erdgeschosses für kurze Zeit ein Platz gefunden. Schwuppdiwupp war es allerdings wieder abgehängt, warum auch immer. Angeblich sei es zu schwer gewesen für die Wände des sanierten Hauses.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Herbstfestbildes hat der Degerlocher Buchautor und Ortshistoriker Albert Raff das Kunstwerk in der Alten Scheuer im Rahmen eines Vortrages präsentiert und seine Bedeutung erläutert. Jetzt, nachdem es für Brigitte Kunath-Scheffold in Richtung Zielgerade ihrer Amtsperiode geht, hat unsere Bezirksvorsteherin doch noch ihre Freude an dem lange ungeliebten Bild gefunden. Farbenprächtige Aquarelle von örtlichen Künstlerinnen mussten vor ihrem Amtszimmer weichen, damit Geschichte nicht verloren geht. Gerhard Raff kann das Bezirksrathaus wieder betreten.

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