Ortsgespräch

von Stephan Hutt

Ausgezeichneter Degerlocher

Für seine Verdienste um die Stuttgarter Stadtgeschichte wurde Helmut Doka mit der Ehrenplakette ausgezeichnet. Für Degerloch hat sich unser Mitbürger schon vor langer Zeit verdient gemacht. 

In den Danksagungen zu der Verleihung der städtischen Ehrenplakette im Stuttgarter Rathaus hat Helmut Doka seine Familie nicht vergessen: "Sie hat meine Ehrenämterei gelassen ertragen und meine inzwischen verstorbene Frau war stets ein guter Ratgeber". Der ehemalige Stadtrat der SPD hat einen großen Anteil daran, dass die Stadt ihre Geschichte aufgearbeitet hat und im kommenden Jahr das Stadt-Museum eröffnen kann. Dabei war es Doka immer wichtig, dass auch die Geschichte der Stadtbezirke integriert und gepflegt wird, was vor Ort die Gründung der "Geschichtswerkstatt Degerloch" zur Folge hatte.

Das ehrenamtliche Wirken von Helmut Doka auf seine Tätigkeit als Stadtrat und Mitarbeiter der Stadtgeschichte zu beschränken, wäre seinem Engegement nicht gerecht. Denn ihm und seinen Mitstreitern haben wir es auf Degerlochs Höhen zu verdanken, dass wir vor nahezu 40 Jahren vor einem Verkehrskollaps mit Naturinfarkt verschont blieben. Es waren Doka und seine Mitstreiter der "Bürgerinitiative gegen die Filderquerstraße" aus Hoffeld, Schönberg und Birkach, die sich tatkräftig dafür eingesetzt haben, dass dieses Wahnsinnsprojekt verhindert wurde.

Die Filderquerstraße sollte im weitesten Sinne das Remstal mit der Singener Autobahn verbinden - mit fatalen Konsequenzen für Degerloch. Geplant war eine vierspurige Straße von Hedelfingen durch das Ramsbach- und Weidachttal, den Ohnoldwald, das Hoftäle und die Hohe Eiche, die dann über das Gebiet zwischen Sonnenberg und Möhringen die Fahrt über Vaihingen zur Singener Autobahn ermöglichen sollte. Die Umweltschäden wären enorm gewesen, mindestens zehn Hektar Degerlocher Wald wären gefallen und hätten das Ramsbachtal als Naherholungsgebiet vernichtet.

"Seit 1973 wehrte sich die 'Bürgerinitiative gegen die Filderquerstraße' gegen die Planung. Unsere Argumente und Aktionen fanden große Unterstützung in den betroffenen Stadtteilen, in denen die CDU als Befürworter des Projektes bei der Gemeinderatswahl 1980 merkliche Verluste verbuchen musste", blickt Doka auf ein Projekt zurück, für dessen Verhinderung man ihn als "Ausgezeichneten Degerlocher" titulieren muss.

Gelobt wurde Doka damals auch von einem, der normalerweise nicht mit Lobeshymnen um sich schmeißt. "Des isch koi so a Triebel, wo den Berolina-Bunker für ein gelungenes Experiment hält. Ond koi Betobachel, wo alle die scheene Fachwerkhäuser abreiße will. Ond des isch koi so a Grasdackel, wo die letzte Äcker ond Wiese uff de Fildre zubetoniere will", schrieb einst der Degerlocher Historiker Gerhard Raff auf einer selbst gefertigten Postkarte. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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